Wecker um halb 9 – Zack Zack Raus aus den Federn!
Wir müssen ja unsere „AirBnB“ Wohnung wechseln! So viele Nahrungsmittel wie möglich wegessen, sodass wir nicht alles mitnehmen müssen. Duschen, aufräumen, Sachen in die Koffer packen soweit es geht und alles wieder ins Auto! Es kommt einem so vor, als würden wir heimfahren, so mit vollgepacktem Auto. Aber wir wechseln ja NUR die Wohnung!
Den Weg kennen wir ja jetzt schon zu Joost’s neuer Unterkunft. Leider kein Parkplatz vor der Türe. Die telefonische Anweisung lautet “just use the park-everywhere-button!”
Den bitte Was sollen wir verwenden??!!
Jasmin fragt nach: „Ah, Ok! Es ist die Warnblinkanlage!!“ Ein “Real Dutch Thing”, wenn man einfach auf der Strasse stehen bleibt um Sachen aus- oder einzuladen oder wen aussteigen zu lassen.
Gesagt – Getan!!
Die Jungs helfen beim Ausladen und im Gegenzug laden wir noch ein paar Dinge ein um sie in Angelinas Wohnung zu bringen. Einmal schnell Hin und Retour, so mit Auto in Den Haag ists doch auch fein – Joost zeigt mir die Parkplätze, die wir hier in der Gegend benutzen dürfen, er hat Freieinheiten, die er aufbrauchen muss und wir brauchen so nichts zahlen dafür!
Als wir in die Wohnung gehen, erklären mir die Jungs, dass die Parksheriffs wirklich seeeehr genau und pünktlich sind und wir unbedingt aufpassen müssen. Ich erzähle von unserem gestrigen Parkticket Problem und ob man den Strafzettel gleich bekommt. Sie verneinen und sagen dass es in dem Fall wohl lange dauern wird aber da “draussen” bei Angelina wohl eher nicht sofort und oft kontrolliert wird!
In unserer Abwesenheit wurden schon die Sachen verräumt und ich suche das Klo auf. Als ich so auf dem Thron sitze, bemerke ich den 10cm grossen Lüftungsschlitz UNTER der Türe!! Sollten die normal nicht oben sein?? Und abgesehen davon. Warum ist überhaupt einer da!!?? Ich weiß es nicht und werde es wohl nicht rausfinden, aber es ist tatsächlich seltsam wenn draussen jemand vorbeigeht und man dessen Füße sieht. Ansonsten ist das Badezimmer/WC super! Alles wurde neu renoviert und so kommt man sich wie in einem Hotel vor.
Nach dem Kaffee machen wir uns auf den Weg um eine kleine Führung durch Den Haag und ein paar Useless-Facts zu bekommen. Das Wetter sieht nach Regen aus und kaum sind wir aus der Tür raus und 10 Minuten gegangen fängt es auch schon an. Na super, wieder dieses Flachlandwetter! Wir suchen uns einen Unterschlupf und überlegen entweder die Regenjacken rauszuholen oder zurück zu gehen um uns Schirme zu organisieren. Joosts Niederschlags-App sagt, es hört gleich auf und wir warten kurz. Tatsächlich ist der Regen gleich vorbei und wird uns den restlichen Tag auch nicht mehr belästigen!




Nach der 10 Abbiegung kenne ich mich sowieso nicht mehr aus und kann nur mehr grob nachvollziehen wo wir sind. Unser Guide ist guter Dinge, also folgen wir ohne Fragen zu stellen.
Durch das Seefahrer Kwartier (also Viertel) geht es irgendwann vorbei am Europäischen Gerichtshof beim alten Arbeitsplatz von Marieke (das Büro der damaligen Königin). Dann stehen wir irgendwann vor dem Gebäude wo der Primeminister arbeitet. Ein angelegter „Teich“ ist davor mit einer kleinen Insel drauf. Wir sehen uns die riesigen gehissten Flaggen der Provinzen Hollands an und mir gefällt die mit den roten Herzen am besten! Friesland wars;)

Auf dem Platz davor steht eine Statue, die mit einer Hand auf den Boden zeigt. Martijn erzählt uns die Geschichte dazu: Genau zusammenfassen kann ich es nicht mehr, aber es ist irgendwer irgendwo aus-gebrochen, wurde wieder gefangen und an der Stelle wo die Statue hinzeigt wurde derjenige dann gevierteilt und dessen Eingeweide und sonstige Körperteile verzehrt. Somit erklärt sich auch, warum es keine richtige Hausmannskost in den Niederlanden gibt.
Wieder zurückgedreht Richtung Ridderzaal, also zu den Flaggen, rechter Hand befindet sich ein Imbisswagen (Haringkraam Buitenhof) Wir müssen dorthin um den Hering zu probieren. Uff, naja mitgefangen – mitgehangen. Joost bestellt eine Mischung aus Hering, Backfisch, geräucherten Aal und Gurken.


Natürlich muss man es so essen wie die Holländer. Kopf in den Nacken, Fisch von oben rein und abbeissen. Frauchen machts Originalgetreu vor!
Nope, wird geschmacklich nicht besser. Jasmin und K1 scheints zu schmecken. Mir ist das zuuu viel von allem! Ich mag Fisch gerne, aber das ist einfach, nein! Der Backfisch ist super und der geräucherte Aal ebenfalls. Man teilt sich das Essen so durch, sodass wir von allen Köstlichkeiten etwas probieren können. Wir haben diese kleine Imbissbude währenddessen nicht verlassen, denn vor und auf und um den Wagen warten 1000e Möwen um ebenfalls einen Happen abzubekommen. Es sind sogar Warnschilder vor den Biestern aufgestellt!
Nach dieser kleinen Stärkung umgehen wir den “Teich“ und schauen uns den Vorderteil des Ridderzaals an. Leider nicht wirklich, denn hier wird gebaut und man kann nicht näher ran. Beim wieder rausgehen fällt mir sofort auf dem gegenüberliegenden Gebäude ein Wappen mit drei Kreuzen und Löwen auf. Ich frage nach warum hier das Wappen von Amsterdam hängt! Unsere Reiseführer sind verblüfft über mein Halbwissen, können es mir allerdings auch nicht beantworten. Eine spätere Google-Suche beantwortet es mir: Rijksmonument Logement van Amsterdam uit 1737.

Wir schlendern weiter durch die Innenstadt, durch Chinatown zum Grote Markt und sehen Haagse Harry – der, so heißt es – das Sinnbild eines Den Haager Bewohner’s darstellen soll. Mit VokuHila und Wampe und verstecktem Stinkefinger.
Eine weitere Pause ist in Sicht und wir legen sie bei Van Cleef in der Lange Beestenmarkt ein. Eine Destillerie aus dem Jahr 1842. Hier wird Likeur und was weiß Gott noch alles gebrannt und dann verkauft. Joost hat uns einen Tisch reserviert und wir werden durch die Destillerie aka Verkaufsraum in den Hinterhof gelotst, wo wir in einem Garten Platz nehmen dürfen.

Wir testen uns durch diverse Schnäpse wie Apfelkuchen, Chilliwodka, Kaffee usw. und etwas später stößt Marieke zu uns und begleitet uns nun den restlichen Tag.
FunFact: VanCleef waren seinerzeit die ersten Besitzer einer Telefonnummer als Den Haag noch nicht an das Generaltelefonnetz angeschlossen war. Also wählte man bei der Scheibe die Nummer 1 und man kam beim Schnapshändler seines Vertrauens an. Gut für den König, der die Nummer 2 hatte. Somit konnten die Zwei sich dann zumindest unterhalten. Wir verlassen dieses Etablisement und wollen uns erneut einen kleinen Snack, diesmal bei Piet Patate holen. Alles frittiert, versteht sich! Pommes (eh normal), Frikadelle Spezial, Crocetten, panierter Käse und keine Ahnung was da noch alles rumliegt. Es wird wieder ein wildes Potpourri für uns geordert und wir kosten uns erneut durch die verschiedenen Speisen und haben auch hier Favoriten und No-GO’s.
Wir beschließen uns auf den Heimweg zu machen und uns dort später dann ein Abendessen zu bestellen. Wir schlendern weiter durch die Gassen und finden noch schnell einen Kühlschrankmagneten und 2 Sticker für die neuen Koffer der Mädels!
Strassenbahn und Einchecken geht mittlerweile schon super! Zwischenstopp bei Albert Heijn XL (Um im Vergleich zu bleiben würde ich sagen der normale Albert Heijn ist ein Billa oder Spar. Der XL ein Billa Plus oder Eurospar)
Nochmal Vorräte fürs Frühstück und die nächsten Tage aufstocken und ab nach Hause. Diesmal zu Fuß, der Weg ist ja nicht so weit. Auch wenn alle schon dezent müde sind, ist es wirklich nur ein Katzensprung. Aufgrund der fehlenden Orientierung meinerseits bin ich etwas verwundert, wie nahe dieser Laden bei der neuen Wohnung ist und wir kommen auch von ganz wo anders her als wir weggegangen sind.
Wir verbringen gemeinsam noch Zeit in unserer neuen Bleibe und quatschen und haben Spass. Langsam werden alle hungrig und wir besprechen was wir essen. Joost sagt: „Name one Country and we get real good food!!“ Das ist eine Ansage! Jasmin schreit Surinam, ich sage Austria! Erstaunte Blicke in meine Richtung und mein Austria wird belächelt, denn good Austrian food gibts hier wohl nicht! Surinam wird es also, auch ok. Keine Ahnung was da drin ist und wie das schmecken soll, aber nach kurzem Hin und Her beschließen Joost, Martijn und Jasmin etwas zu holen, weil das real good Restaurant nicht liefert! Sie verlassen die Wohnung um nach 2 Minuten anzurufen, dass sie ja kein Auto haben und ich sie fahren soll. Mein Alkoholpegel ist schon zu hoch um in einer fremden Stadt den Fahrer zu miemen, also lehne ich dankend ab.
Wir finden einen anderen Surinamesen. Sagt man das so?? Und bestellen online. 8 verschiedene Dinge von denen ich keine Ahnung habe, was sie sein sollen ausser Lamm/Huhn/Rind. Das Essen kommt nach einer 3/4 Stunde und wir teilen alles irgendwie auf. Kartoffel mit Strankalan (Fisolen) und dem jeweiligen Fleisch mit einer Palatschinke und einem Curry-Ei. Optik – najjjjaaaaaa, gewöhnungsbedürftig
Geschmack – Ausgesprochen lecker. Das Restaurant heißt „Warung Kromo“ und ist wirklich sehr empfehlenswert (zumindest zum Bestellen)
Die Mädels gehen langsam dann ins Bett, Oma Marieke bestellt sich ein Taxi und fährt nach Hause. Wir sprechen vorher noch kurz die nächsten Tage durch, was wir Wann Wo Wie machen mit dem ganzen Rudel. Anschließend werfen wir den eigentlichen Mieter und sein Anhängsel raus, denn wir wollen morgen ja nach Brüssel fahren und müssen jetzt ins Bett. Es dauert noch etwas bis wir den Tag verdaut haben und müde und geschafft ins die Federn fallen. Der Tag war anstrengend, aufregend und sehr lustig!
The Hague ist definitiv eine Reise wert
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