Holland – Tag 6 – Small-Towns und Party Hard

Aufgrund der Pläne für heute klingelt der Wecker wie immer um 8:00.

Oh Mann, warum sind wir sooo spät ins Bett gegangen? Jetzt rächt es sich wie ein vergessenes Stück Käse ganz hinten im Kühlschrank. Egal, keine Zeit für Schwächeleien. Um 10:30 kommen Joost und Angelina (also zumindest war es so ausgemacht) und wir müssen nach einem Anruf eeetwas umplanen denn Joost erwartet ein Paket.

Jasmin und die Mädels werden schon ungeduldig, denn es ist nun schon 11:25 als wir von unserer Behausung losfahren. So viel zu unseren Plänen, klappen hier wohl nie! Wir kommen „zu Hause“ an und gerade als wir da sind ist auch der Paketbote da. Na was für ein Glück. Also Paket weg, rein in die Tram, Tagestickets checken und ab nach Voorberg auf den Markt. Wir nehmen irgendwann den Bus, weil die Tram gesperrt ist und aufgrund der Fahrweise dieses Busfahrers glauben wir, dass es sein erster Arbeitstag ist.

Wir steigen in Voorberg aus und schlendern ein bisschen durch die Gassen dieses kleinen Vorortes. Der Regen macht uns wie öfters in diesem Urlaub einen Strich durch die Rechnung, sodass wir kurz einen Unterschlupf benötigen. Wir beschließen in eine kleine französische Baguetterie zu gehen um uns zu stärken und dem Regen zu entfliehen. Da 3 andere Cafes keinen Platz für 8 Personen hatte war das sowieso unsere einzigste Möglichkeit. Viele undefinierte Sachen liegen hinter dem Glastresen, aber Gott sei Dank auch Schinken und für die Mädels Prosciutto. Jasmin nimmt ein Baguette mit Lachstartar und unterhält sich noch mit dem Inhaber auf Französisch. Dieser scheint begeistert von ihren Sprachkenntnissen und lobt sie in höchsten Tönen für diese o la la und oui und no und was weiß ich. Das hört sich alles nach Streichkäse an und außerdem sollten die hier doch Niederländisch sprechen und nicht Französisch. Der Regen hat sich verzupft und wir lassen die letzten Meter zum Markt hinter uns. Ein normaler Bauernmarkt hier in der Gegend. Rechts ein Stand, links ein Stand. Martijn kauft „Nachspeise“ – Stroopwaffeln die er mag. Die Normalen, die man überall bekommt sind nicht so sein Ding, diese hier liebt er aber.

Wir testen und sind ebenfalls begeistert. Natürlich müssen die dann auch mitgenommen werden.

TIPP: Es sind die Stroopwaffeln aus Gouda. Diese werden etwas anders hergestellt als die Üblichen in ganz Holland.

Als Nächstes steht der „Good Cheese“ Laden an. Joost checkt, dass wir ein paar verschiedene Sorten kosten dürfen. Der Erste war einer den wir auch genauso daheim bekommen würden, also nichts Besonderes. Der 2te ging schon etwas mehr in die Richtung, war aber auch ein Käse den man übersehen kann. Nummer 3 dagegen war schon seeeehr gut und wir durften mit dem, den wir am ersten Tag als Frühstück geschenkt bekommen haben vergleichen. Sie waren sich ähnlich, jedoch hat man natürlich einen Unterschied gemerkt. Nichts desto trotz haben wir von beiden Käsen (sagt man das so?) ein Stück einpacken lassen. Auch der Preis hat uns jetzt nicht geschreckt. 18€ ein Kilo vom „Guten“. Der andere natürlich etwas weniger. Insgesamt hatten wir einen ¾ Kilo Käse dann dabei. Wir schlendern noch den restlichen Markt ab, aber finden nichts mehr wirklich Nennenswertes.

Nachdem es wieder richtig zu Regnen beginnt, endet hier unser kleiner Ausflug in Voorberg und wir laufen durch die Gassen zurück zum Zug und suchen bei jeder sich bietenden Möglichkeit Unterschlupf. Der Zug steht schon im Bahnhof, also hüpfen wir so schnell es geht rein. Gott sei Dank gilt hier auch das Tagesticket – NICHT – also fahren wir eine Station nicht ganz legal. Egal, bevor der Schaffner irgendwo auftaucht sind wir schon draußen und stehen nun wieder mehr oder weniger bei Marieke vor der Türe. Kurz hoch um den Käse abzuladen und ein paar Minuten zu warten bis der Regen aufhört. Ich lege meine Brille aufs Klavier und wir quatschten kurz und plötzlich herrscht Aufbruchstimmung und müssen wir los. Ich merke erst als wir bei der Türe unten raus sind dass ich die Brille vergessen habe. Die Tram steht quasi fast schon am Bahnsteig und Martijn ist so nett und läuft wieder zurück zum Lift in den 7.Stock und holt meine Brille. Er kommt grade noch rechtzeitig zurück, sodass wir alle zusammen nach Delft fahren können. Es wäre jetzt auch nicht soooo tragisch gewesen, hätte er diese Tram verpasst, aber der Spannung hats gut getan und alleine der Gedanke daran, dass er die Tram versäumt ist schon eine Zeile Wert.

Am Weg nach Delft sehen wir aus der Tram eine Windmühle, dort ist unsere Endstation, also aussteigen! Da wir Ausländer noch keine Windmühle von Innen gesehen haben, wollen wir unbedingt dort hin.

Es stellt sich schnell heraus dass auch keiner der Einheimischen eine Mühle von Innen gesehen hat, also ist es für uns alle etwas Neues und wir lachen über diese kleine Tatsache dass die Einheimischen die Touri Sachen mit uns machen, selber aber nie auf die Idee gekommen wären das zu tun. Wir quetschen uns alle die viel zu kleinen Treppen hoch. Platzangst darf man dabei keine haben. Es gibt hier 7 „Stockwerke“ und jedes ist natürlich für etwas gut, wie wir hier erfahren. Es wird in dieser Mühle immer noch Mehl produziert, welches dann auch verkauft wird. Leider gibt es nur mehr eine Handvoll dieser Mühlen in Delft. Es ist eine Karte hier abgebildet, wieviel es waren und dass es stetig weniger wurden.

Wir sind bis ganz nach oben geklettert und standen dann auch draussen bei den Windrädern. So eine Mühle hat natürlich 2 Ausgänge. Je nachdem von welcher Seite der Wind kommt. Es wäre ja doof wenn man nur 1 Türe hat und dann jedes mal einen neuen Pony hat wenn der Wind falsch weht. Unserer Meinung nach war das eine sehr spannende Erfahrung für uns alle und man kann es bedingungslos empfehlen. Wir haben noch eine kleine Spende dort gelassen, denn Eintritt wird hier keiner verlangt. Es ist alles frei zugänglich! Sehr toll.

Danach ging es in die Innenstadt von Delft – Mini-Amsterdam sagt man, und ja, mit den ganzen kleinen Grachten ists genau das!

Klein, fein, wundervoll! Wir spazieren bei einer Statue von Willem von Oranje vorbei und erblicken kurz darauf einen FLOHMARKT in der Innenstadt! Mein Herz geht auf bei dem ganzen Kram der angeboten wird. Wir folgen diesem durch die Gassen, unsere Holländischen Verwandten sind nicht ganz soooooo Flohmarktbegeistert doch sie gehen halt mit. Naja klar, wo sollen sie auch sonst hingehen.

Und dann sehe ich sie!! Ein Traum in hellbraunem Holz, Größe 44, mit einer netten Musterung (naja eher ein paar Aufkleber) um 25€ – Klompjes!!! Ich handle nochmal auf 22,50 runter und schon gehören sie mir.

Wir hatten vorher in der Mühle noch darüber mit Martijn gesprochen, wobei wir auf das Ergebnis kamen ,dass solche sehr teuer sind und er auch keine hat, und wir eventuell am Flohmarkt im Amsterdam Ausschau halten werden. Da wussten wir noch nichts von diesem Flohmarkt. Joost hat eine Schallplatte gefunden und damit war er dann auch mehr als zufrieden mit der Ausbeute. Man kommt nach ein paar weiteren Metern auf einen großen Platz mit dem Rathaus und der großen Kirche. Wir biegen rechts weg und stehen beim Wochenmarkt. Von einem Markt zum nächsten gibts ebenfalls alles was das Herz begehrt. 3 Mangos um 2,50€ Obst und Gemüse scheint seeeeeehr günstig, aber wir brauchen eben grad nichts!

Und dann war sie da!! Die erste OFFENE Kirche in Holland die Jasmin besuchen konnte. Aus irgendwelchen unerklärlichen Gründen waren bisher alle zu oder gesperrt!! Kaum waren wir drinnen, hat K2 eine Art Gebetshaltung eingenommen und nicht mehr geändert, bis sie die Kirche verlassen hat. Die kleine Maus ist die komplette Zeit als wir der Kirche waren mit gefalteten Händen rumgelaufen und hat still vor sich hingebetet. „seltsam“ Wir gehen ein paar Runden, finden Kaugummis unter den Gebetsbänken und die Mädels zünden eine Kerze für unsere verstorbene Katze an!

Nach diesem ersten richtigen Kirchenbesuch gehts ab zu einer anderen Kirche, nämlich der Bierfabriek für einen kleinen Zwischenstopp. ein paar verschiedene Biere, ein paar gebackene Snacks und eine Klopause für und alle sind wieder frisch und munter.

Dann ist der Regen vorbei, der Tag auch schon beinahe und wir spazieren zur Tram. Als wir beinahe dort ankommen ruft Marieke dass sie los müssen, die Tram steht schon dort und sonst müssen sie so lange warten. (Die Holländer haben doch alle einen an der Klatsche, die 10 Minuten bis die nächste Tram kommt wird man doch noch warten können.) Die Mädels und Jasmin waren leicht überfordert um Tschüss zu sagen, haben es aber dennoch geschafft sich ordentlich zu verabschieden. Übernachtung bei Oma Marieke für die Mädels und einen freien Abend für die Erwachsenen.

Der Plan lautet wie folgt: Heimfahrt, 1 Stunde Schlaf, dann eine Kleinigkeit essen und uns durch The Hagues Nachtleben schlagen!

Zeitsprung auf 20:30 – wir werden abgeholt.

1 Station – St. Joris um die Ecke von der Wohnung – ein Delirium Red für uns, Angelina bestellt Cookies. Jasmin glaubt schon wieder an Holy Shit, doch muss beruhigt werden. Sowas wird nicht in jedem Lokal verkauft. Aber auch diese Cookies sind super lecker. Ein Likör der nach Schokocookies schmeckt, und nicht nach Alkohol. SEEEHR GEFÄHRLICH!

Jedes Bier hat sein eigenes Fancy Glas

2 Station – Wir fahren in die Innenstadt, Joost und Angelina nehmen ihr Fiets (Fahrrad). Wir treffen uns am Groete Markt und wollten zum Griechen. Leider hat dieser aus unerfindlichen Gründen um 22 Uhr schon geschlossen und wir gehen zu einem Pizzaladen am großen Platz. Es schüttet mittlerweile wieder aus Eimern und wir suchen einen Unterschlupf. In der Mitte sind lauter Schirme aufgespannt und nachdem 90% der Lokale vom gleichen Besitzer sind darf man dort das gekaufte Essen verspeisen.

3 Station – Hoppsak Pub im Keller. Sehr große Auswahl an Bieren (200 wenn ich mich recht erinnere) und keine Ahnung wieviele Whisky‘sJasmin testet sich durch. Der Abend bleibt lustig und nett!

Nachdem es vorher geschüttet hat sieht Jasmin‘s Frisur nicht mehr so aus wie zu dem Zeitpunkt als wir die Wohnung verlassen haben. Sie geht aufs Klo und entdeckt einen Dyson. Nachdem Dyson ja gleich Dyson ist steckt sie den Kopf in den Händetrockner und zack hat sie wieder die Frisur von vorhin. Praktisch oder? Ich sag mal so: Meine Frisur hats nicht gestört dass es geregnet hat, die sieht immer gleich aus.

4 Station – Huppel the Pub, mit einer größeren Auswahl an Whisky. Die Musik ist heute etwas „härter“ aber es gefällt auch hier. Martijn verabschiedet sich um ca. 1 Uhr denn er gibt morgen um 8:30 einen Baristaworkshop und braucht auch noch etwas bist er zu hause ist.
Wir bleiben noch bis Ladenschluss. Um halb 2 kommt ein Kellner und sagt, dass sie jetzt die Türe schließen werden und falls jemand rausgehen sollte um eine zu rauchen wird er nicht wieder reingelassen. um 3 Minuten vor 2 Uhr werden dann alle recht nervös und wollen wirklich pünktlich schließen.

Wir gehen und nachdem es schon ein langer Tag war wollen wir einfach nach Hause. Wie aber nur, es fahren keine Öffentliche Verkehrsmittel mehr um diese Zeit. Auch eher fragwürdig in einer so großen Stadt, aber das werden wir um 2 Uhr morgens auch nicht ändern können. Also neuer Plan: Wir gehen, oder laufen halt erstmal zum Groete Markt, denn da stehen die Fietse unserer Begleiter. Unterwegs finden wir eine Architektonische Meisterleistung in der Nähe einer Kirche. Tagsüber kaum zu erkennen, denn im Boden versenkt, schauen sie aus wie überdimensionierte Kanaldeckel. Am Abend jedoch sieht es aus wie eine Litfassäule und hochgefahren sind es einfach mal 3 Pissoirs. Ein wild gewordener Traum für alle Wildpinkler. Joost erleichtert sich und wir warten derweil im Regen. Wir habens ja auch nicht eilig, nass sind wir ja eh schon. Joost und Angelina besprechen wie wir am besten nach Hause kommen. Joost fragt ob ich biken kann und drückt mir einen Schlüssel in die Hand. Ja klar kann ich biken. Angelina geht mit mir zu den Fahrrädern und Joost nimmt Jasmin und holt sich einen Elektroscooter. Jasmin erzählt mir nachher dass sie mehr als 1 probieren mussten denn der 1te ließ sich nicht starten, der 2te war „Shit“ und der 3te passte dann für die Zwecke. Man kann mit diesen 30km/h Flitzern auf dem Radweg fahren. Man muss den Helm tragen, sonst lässt sich das Ding nicht starten! Also der Rauschige fährt, die andere Rauschige sitzt hinten und so fahren die 2 durch den Regen nach Hause.

Ich stehe mit Angelina bei den Fahrrädern und denke mir, dass das jetzt nicht euer Ernst ist bei dem Regen mit dem Rad zu fahren. Hier scheint es aber völlig normal zu sein und so ergebe ich mich meinem Schicksal. Es kommt noch viel besser. Als ich losgeradelt bin merke ich dass ich gar keinen Bremshebel am Lenker habe. Ich rufe Angelina zu wie man das Ding anhält und Sie lacht und sagt du musst zurücktreten. Ah, Rücktritt, klar! Hatte ich bei meinem Kinderfahrrad ja auch, das letzte mal vor 35 Jahren. Auch hatte es nur 1 Gang, kein Licht und auch keine Klingel. Ein (Alp)traum von einem Fiets!!! Katastroph!! Ich sehe kaum was, denn ohne Brille und Haare rinnt das Wasser quasi direkt in die Augen. Ich bin heilfroh als wir daheim ankommen, denn die Fahrt war abenteuerlich und total hirnverbannt. Wer setzt sich bei störmenden Regen beschickert auf ein Fahrrad mit Rücktritt, ohne Licht und fährt nach Hause? Klar der Dödel aus Österreich! Und ich brauche nicht zu erwähnen, dass wir durch Nass waren. Wir gehen noch in die Wohnung auf einen Absacker, verabschieden uns von den beiden (ja die mussten dann noch im Regen mit den Rädern zu Angelinas Wohnung fahren) und legen uns fix und foxi ins Bett! Also nachdem wir uns aus unseren Klamotten rausgeschält hatten. Morgen steht der letzte Wohnungswechsel an und ein sonst wohl eher entspannter Tag!

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