Hawaii (Oahu) – Tag 2 – Emergency Room Honolulu

Wir werden von K2 um halb 6 geweckt – Hunger und Durst! Yes!! Es ist soweit, der Urlaub kann beginnen. „Denken wir“. Jasmin ermahnt sie noch zum Hinlegen und etwas abwarten. Um 6.45 wirds dann doch zu bunt und ich werde zum Frühstück holen abgestellt. K1 begleitet mich wieder. Bei Foodland finden wir wieder alles was wir wollen, es dauert doch etwas länger und wir bekommen schon Nachrichten zum Verbleib. Hunger ist groß. Zuhause angekommen gibt es dann das gewünschte Apfelmus für K2 und den bestellten Rest für uns. Zu früh gefreut, nach 15 Minuten war die Essensrückgabe abgeschlossen und K2 kann nichts mehr bei sich behalten. Auch der Schluck Wasser bleibt nicht unten und der kleine Floh kotzt sich die Seele aus dem Leib.

Wir beschließen dann doch ins Krankenhaus zu fahren. Hatten wir wohl gestern schon angedacht, aber natürlich wartet man erst mal ab ob es wirklich schlechter wird und man nicht unnötig in der Gegend rumfahren muss und das Kind vielleicht unnötig belastet wird. Alika begleitet uns und K1 bleibt allein zu Haus mit Netflix und Co.. Wir fahren zum Queens Urgent Care in Honolulu. Eine Kette von Arztniederlassungen mit guten Bewertungen und internationalen Versicherungen. Außerdem hätte es auch am Feiertag (ja, in Hawaii ist es der Admission Day) offen. Dort angekommen stellen wir fest, dass hier Maskenpflicht besteht. Alika hat noch eine im Auto und geht erstmal rein um uns welche zu organisieren.

Ein komplett fertiges K2 im Arm stehen wir mal 10 Minuten da und niemand ist an der Rezeption. Jasmin hat sich mit K2 hingesetzt, welches wieder mal ununterbrochen etwas in einen Kübel retourniert. Die Leute um uns herum nehmen Abstand. Ein junger Mann ist vor uns dran und wird gebeten eine Maske aufzusetzen. Er sei gar nicht krank, sondern wegen eines Jobs hier, hatte ich irgendwie mitbekommen. Das ist der Dame hinter der Theke aber egal und sie besteht auf die Maske. Naja, so gehts auch. Als wir dran sind nach ca 20 Minuten schildere ich unsere Probleme, und das erste was sie von mir haben will ist ein Nachweis, dass ich ihr Vater bin, bzw. Jasmin ihre Mutter. Völlig entsetzt erwidere ich ob das jetzt ein Problem ist, dass wir diese Dinge in Österreich „vergessen“ haben, weil wir damit nicht gerechnet haben. Ja sie kann uns da leider nicht helfen ohne einen Nachweis, dass es sich wohl nicht um ein entführtes Kind handelt oder was. (Ist ja nicht so, dass wir das ganze aufgrund Immigration sowieso im Appartement hatten, aber dass der Arzt das braucht, damit hätten wir nicht gerechnet und darum nur Reisepässe und die internationale Reiseversicherung mitgenommen – auf der übrigens alle namentlich gelistet sind). Egal, das versteh wer anderer. – Das einzig positive an dieser Klinik war der Tipp, wo wir denn stattdessen hingehen sollten. Und zwar ins Kapi‘olani Medical Center for Women & Children. K2 musste nochmal aufs Klo, es hatte sich wohl Durchfall angekündigt. Gut dass wir mehrere Ersatzunterhosen mitgenommen hatten, denn diese Unterhose sehen wir nie wieder. Ein Geschenk des Hauses für diesen tollen Service! 🙂

Wir fahren schnell zurück nach Hause um die benötigten Unterlagen zu holen, und Jasmin lässt in der Hektik erstmal ihr Telefon liegen. Und natürlich fahren wir nicht zurück zu Queens Urgent Care sondern zum genannten Medical Center.

Alika gibt ordentlich Gas und wir rasen dorthin. K2 verfällt und erbricht weiter. Im Parkhaus auf Ebene Fisch angekommen, nehme ich K2 auf den Arm und wir betreten das Krankenhaus. Als wir reinkommen muss K2 wieder aufs WC. Währenddessen füllt Jasmin den Fragebogen aus. Als wir rauskommen, sind wir auch schon dran. Wartezeit 1 Minute. K2 kann kaum noch gehen und als der Arzt sie fragt, ob er einen Rollstuhl holen soll, bejaht sie dies sofort. Solche Dinge versteht sie offenbar auch, ohne dass sie die Sprache kann.. Sehr interessant. Der Arzt bringt uns in Behandlungsraum 7 und beginnt sofort mit einem Blutzuckertest und Vitalzeichenmessung sowie einmal „abwiegen“ für Medikation. Jasmin berichtet in der Zeit über alles was sich zugetragen hat und was K2 fehlt. Es wird genau zugehört, ein Rachenabstrich gemacht, Blutdruck gemessen und und und…. K2 bekommt eine Anti-Brech-Pille welche in 20 Minuten wirken soll.

Der Arzt kommt mit einem Gatorade in exakt 20 Minuten wieder und K2 beginnt dies langsam zu trinken. Spoileralarm: Es hat nicht geklappt. Sie erbricht nach 10 Minuten wieder und der Arzt verlässt erstmal wieder den Raum. Nach ein paar weiteren Minuten kommt eine Ärztin ins Zimmer, mit Schutzbrille und Mundschutz. Sie fragt wie sie uns helfen kann. Jasmin erklärt, dass schon ein Arzt hier war. Die Dame sagt uns, dass sie der Arzt ist und der Mann nur die Nurse. Also auf deutsch für K2 übersetzt: der Krankenbruder! Also alles nochmal auf Anfang und neu erklären. Egal, auch Dr. Chen hört gut zu und gibt dieselbe Diagnose. Nachdem es bei K2 mit dem Anti-Brech-Mittel nicht geklappt hat, empfiehlt sie eine Infusion. Jasmin übersetzt alles an K2 simultan. Sie hat eigentlich überhaupt noch nie eine Spritze bekommen und so ist der Gedanke an eine Infusion doch recht seltsam. Dennoch erklärt K2 sich einverstanden, anscheinend merkt sie auch, dass man hier wirklich an ihr interessiert ist und nur möchte, dass es ihr besser geht. Fremde Person Nummer 3 betritt den Raum und legt K2 die Infusion mit Ringer Lactat und Schmerzmittel. Was total auffällig ist, ist dass sich hier jeder Behandelnde entschuldigt wenn er dem Kind ein Pflaster runter nimmt, oder die Nadel setzt weil es etwas weh tut. Sie sind wirklich sehr empathisch hier. Da die Infusion nun mind. 1 Stunde dauert bittet Jasmin mich auch K1 zu holen sie würde hier bleiben und wir beschließen den Plan für den Tag ein wenig zu ändern.

Alika bringt mich nach Hause um das Besprochene zu erledigen. Also packe ich K1, Handy, Sweatshirt und Jacken ein und wir machen uns auf den Rückweg. Der Stau killt unser Zeitmanagement und wir brauchen für das ganze ca. 1 Stunde. Als wir im Krankenhaus ankommen wird der Zugang für K1 verweigert. Kein Patient und unter 18. Sie kann nicht rein. Ich sage ihr sie soll hier im Wartezimmer warten, aber auch das wird untersagt. Wie soll ich dann meiner Frau ihre fehlenden Dinge bringen, frage ich zurück. Na gut, 5 Minuten. Ich stürme rein und bekomme ein: „Was hat da so lange gedauert?“ entgegen geschmettert. Erklärversuche helfen erstmal wenig. K2 ist fertig mit der Infusion, es war aber noch niemand hier.

In der Zwischenzeit sitze ich mit K2 hier im Zimmer, welches nicht mehr erbricht, aber wie aufgezogen immer wieder etwas zu erzählen hat. Vor Erschöpfung und Erleichterung, dass das Drama jetzt ein Ende ist würde ich mich am liebsten ins Bett dazulegen. Besonders hilfreich ist natürlich, dass der Raum auf ca 18 Grad runter gekühlt ist. „Never felt so fresh“ … Ich klappere nicht nur sprichwörtlich mit den Zähnen. K2 liegt zum Glück unter mehreren Leintüchern.

Schön zu sehen ist, dass etwas mehr Leben in sie kommt und vor allem – sie hat endlich das Erbrechen eingestellt. Als Gerhard nach 1 Stunde und x Minuten wieder kommt, bin ich erstmal nicht amused, weil mir einfach total kalt ist. Dann sagt er mir, dass er mit K1 draußen warten muss und naja was soll’s. Hauptsache sie sind rufbereit. Wir vereinbaren, dass ich mal warte, bis ich weiß ob wir gleich gehen dürfen oder nicht und ihn dann informiere, damit er weiß ob er mit K1 gleich oder später shoppen geht.

Der Krankenpfleger kommt rein und fragt wieder nach Ninas Befinden und ob Ihre Schwester da draußen warten müsse. Als ich ihm sage, dass es ja anscheinend so sein müsse, sagt er – aber sicher nicht für meine „Freunde aus Österreich“ und er werde das regeln.

Wir warten kurz und dürfen dann mit Hilfe von unserem Krankenbruder der quer über die Theke ruft: „Hey my Austrian Friends, come over, i checked this for you“ endlich doch beide zu Jasmin und K2 ins Zimmer rein. Dort drinnen sind wir aber nur kurz. K1 ist es viel zu kalt und der Hunger meldet sich.

Plan steht, wir gehen in die Cafeteria und essen erstmal was und hoffen, dass in der Zeit K2 entlassen wird.

Die Ärztin kommt mit Apfelsaft. Die Infusion wird abgeschlossen. Der Deal ist – wenn der Apfelsaft weg ist und drinnen bleibt, dürfen wir heim. Ansonsten müssen wir einchecken. Allerdings ist 0,15 Apfelsaft gerade einfach zuviel für K2. Sie quält sich sichtlich ist auch müde und ich sag sie soll sich Zeit lassen, es nützt ja nix. Sie muss dann auch mal auf die Toilette, was wirklich kurz kritisch wird. Beim Aufstehen wird sie grün im Gesicht und greift sofort nach der Kotztüte. Ich bitte sie mal tief zu atmen und der Würgreiz vergeht zum Glück. Klo erledigt – kein Erbrechen – wir wackeln wieder ins Zimmer. Die Ärztin kommt mit dem Labor und sagt uns, dass K2 eine bakterielle Streptokokken-Angina habe. Daher erhält sie jetzt Schmerzmittel, den Brechstopper und ein Antibiotikum für 10 Tage. Sie glaubt, dass die Erholung daheim besser ist, darum werden wir mit einer Einnahmebroschüre, allen Laborwerten und einem Rezept für die Apotheke entlassen.

Ich fülle noch alle Adressen aus, damit uns die Rechnung Zuhause auch erreicht (bin schon sehr auf den endgültigen Betrag gespannt). Jedenfalls wurde sich noch NIE so um ein Kind gekümmert im Krankenhaus – und ich war doch schon das eine oder andere Mal mit ihnen in einem.

2 kleine Pizzen für mich und K1 reichen erstmal und es sollte tatsächlich nicht lange dauern bis Jasmin und K1 aus dem Krankenhaus rausgewackelt kommen. Wir bekommen die Rechnung für diesen Aufenthalt per Post zugeschickt. Na da bin ich aber gespannt ob das klappen wird. GOTT SEI DANK haben wir vorher noch eine Reiseversicherung abgeschlossen. Grund dafür wird später bei der Apotheke noch klarer. Aber erstmal müssen wir dahin. Sie ist nicht weit entfernt und das System hier ist etwas anders. Das Krankenhaus schickt das Rezept direkt an die Apotheke und man kann es halt auch nur dort abholen. Also Longs Drugs gleich um die Ecke war die Wahl.

Dort angekommen gehe ich mit dem Rezept rein und stelle fest dass die von 13:30 bis 14:00 Mittagspause haben. Sehr gut, es ist 13:35, perfektes Timing. Warten? Nein, sicher nicht. K2 ist ja noch immer schwach. Also fahren wir die 15 Minuten nach Hause, ich liefer das kranke Kind ab und fahre wieder retour um die Drugs zu holen. Kurz vor dem Zuhause die nächste Planänderung. K2 will zum Meer, Jasmin sagt, dass hat sie sich verdient und sie werden es ruhig angehen, also biege ich nicht links sondern rechts ab und lade die 3 Damen bei dem Strand von gestern ab. Ich fahre indes zur Apotheke zurück.

Die Medikamente sind dort bereits hergerichtet. Das Antibiotikum wird aber erst dann zusammengemischt wenn ich bezahlt habe. Also zahle ich die 60 Dollar mit meiner Kreditkarte. Vergesse zwischendrin den PIN und muss auf meinem Telefon nachschauen. Er fällt mir einfach nicht ein, ich stehe da wie der größte Tepp, aber ich bin mir sicher das ist jedem von uns schon ein oder 10 Mal passiert. (Jemandem passiert das ständig aber psst das hab ich euch nicht verraten) Ich muss kurz warten und eine Dame bringt mir das Mittel zum 5 Meter entfernten Warteraum. Ja, was solls, Amis halt. Die haben in der Apotheke einen eigenen Warteraum. Übrigens ist Longs Drugs auch sowas wie ein DM oder Bipa inkl. einer Apotheke.

Ich fahre wieder zurück und habe All-in-all 40 Minuten gebraucht von dem Zeitpunkt als die Damen beim Strand abgeladen wurden.

Wir sind in der Zwischenzeit zu Fuß durchs Meer gewandert zu einer Sandbank und haben Krebse beobachtet. Weiße die hüpfen und schnell rennen und schwarze, die auch hüpfen aber wesentlich größer und auch langsamer sind. K2 ist so begeistert, sie sieht Hawaii ja jetzt quasi das erste Mal und sie lebt dabei sichtlich auf. Sie freut sich schon aufs Gesund werden und ist total motiviert. Wir checken dann aber doch daheim ein, wo sie in den Schlaf der Erholung fällt, ich übrigens auch, hab erst jetzt gemerkt, wie sehr mich die Situation belastet hat.

Nächster Tagespunkt: Shopping mit K1. Wir fahren abermals retour zu Ross – Dress for Less. Ein TK-Maxx Ableger der genau auch nur Dinge aus dem Abverkauf hat. Über 1 Stunde sind wir dort. Meine Ausbeute: Immens, K1‘s Ausbeute: Mja.. Sie findet nichts, und das was sie findet passt nicht so richtig. Und Jasmin ist auch nicht dabei um sie wirklich dabei zu unterstützen. Solche Regalständer sind hartnäckig und in Bezug auf Größen und Design bin ich definitiv der falsche Ansprechpartner.

Unser Abend klingt mit dem Essen von gestern, mitgebrachten Dingen von Sharon und einer Partie Riesen-Uno aus. Als Alika heimkommt sagt er uns, dass seine Schwester Sandy auch noch kurz herkommt um mit uns unsere Bucket-Liste durchzugehen. Wir bequatschen alles, K1 und ihr Nähtalent wird von Sandy geliebt und eine Runde Skip-Bo mit Alika und seinen Töchtern Hualani und Hapuna ist auch noch drin.

K2 geht es den ganzen Tag über stabil, sie erbricht nicht mehr und schläft viel. Jasmin und ich scherzen, dass es mir auch besser gehen würde wenn ich eine halbe Apotheke zu mir nehmen müsste. Jasmin erstellt einen exakten Schedule für alle Medikamente, der irgendwie bis nach Mitternacht geht – naja mal sehen. In dem Sinne verabschieden wir uns heute und hoffen dass morgen alles besser wird und unser gemeinsamer Familien-Urlaub richtig Starten kann.

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