Tagwache um 4:30. Ein Sonnenaufgang am Kokohead ist angesagt. Welcher Trottel hat sich das einfallen lassen? Diesmal war es nicht ich. Wir haben uns gestern noch Stirnlampen von Alika ausgeborgt, um auf Nummer sicher zu gehen. Also grundsätzlich auf Nummer sicher, weil die Taschenlampe am Handy ist uns doch zu wenig. K2 dreht sich kurz um, riskiert ein Auge, murmelt irgendwas Unverständliches. Ich glaube es war: „Ich bin noch müde, ich geh doch nicht mit“, es könnte aber auch: „hmm muruimdm mmenn“ sein. K1 macht nicht mal einen Zucker. Wanderschuhe an, mitgebrachte Riegel – Check, Wasser – Check, Motivation – Check – zumindest bei mir.
9 Minuten dauert die Fahrt zum Kokohead Parkplatz. Dort stehen schon locker flockig 25 Autos und ein paar Menschen gehen bei uns vorbei. Wir folgen einer Dame, die den Weg mit ihrem Handy beleuchtet. Ich schalte meine Bergfex App ein und suche den Wanderweg, laufe dabei fast in das junge Mädel vor uns rein, weil sie unvermittelt stehen bleibt. Offenbar weiß sie nicht genau wohin. Vom Parkplatz aus kann man ein paar Abkürzungen nehmen, um zum Hauptweg zu kommen. Der Weg auf die Spitze besteht eigentlich aus einer Eisenbahnlinie. Also Schienen und Bahnschweller. Die sind aber in so einem unguten Abstand zu einander verlegt, dass man lange Beine braucht. Bei mir geht es halbwegs, Jasmin ärgert sich und verflucht schon wieder die Menschheit, dass das ja net sein kann, dass man das nicht ordentlich verlegen kann, sodass es nicht so kacke zum raufgehen ist. Und das obwohl sie wirklich keine kurzen Beine hat.
1042 Bahnschweller geht es nach oben. Nach ca. 97 reißt sich Jasmin schon ihr Shirt vom Leib, weil die Temperaturen zwar etwas runter gegangen sind, aber der Schweiß das vollkommen ignoriert. Ein kleiner Abschnitt der Strecke geht sogar als Brücke weiter. Ohne Geländer, dazwischen ist einfach freier Fall. Mit diversen Warnschildern. Jasmin wird hier eeeeetwas ängstlich und fängt zu meutern an. Als ob sich der Bahnschweller darum kümmern würde, weil so eine österreichische Touristin hier mehr Sicherheit haben will. Sie klettert den Weg auf allen 4ren weiter. Zumindest hab ich davon kein Foto gemacht, denn sonst wäre ich wohl in den Tod gestürzt (worden). Einige Menschen kommen uns schon entgegen und wir denken dass das ja gar keinen Sinn macht vor dem Sonnenaufgang wieder runter zu gehen. Warum sollte man denn da sonst hochgehen. Aus Spass? Sicher nicht! Aus Gewohnheit? Welcher Mensch macht sich daraus eine Gewohnheit, das grenzt an Selbstverstümmelung. Je weiter wir nach oben kommen um so steiler wird es. Die Oberschenkel brennen schon sehr, aber wir schaffen es doch nach insgesamt ca. 45 Minuten und 45 Stopps bis ganz nach oben. Die Aussicht ist einfach traumhaft.
Wir gehen zuerst nicht ganz auf die Spitze, sondern marschieren etwas rechts am Krater entlang. Dort findet sich ein lauschiges Plätzchen, wo man auch eine super Aussicht hat. Man sieht nicht alles auf einmal, aber die anderen Menschen bleiben uns fern. Dafür sind wir dankbar. Keiner stört uns beim Posen, keiner quatscht laut neben uns. Die Idioten, die um die Ecke laut rumbrüllen, können wir eh nicht abstellen. Auch wenn das sehr verlockend ist, ein paar Unachtsame in die Tiefe zu stürzen. Ja klar, dann gäbe es zwar noch einen kurzen Schrei, der verstummt aber recht schnell. Jasmin sieht im Westen vor der Küste (ca. 25-30km von uns entfernt) einen Umriss und vermutet einen Wal. Natürlich, der taucht auch nicht unter, der ist immer mit dem Rücken über Wasser. Es ist ganz klar ein Boot. Mit 4 Personen an Bord. 3 Männer und 1 Frau. Ich sehe es ganz eindeutig von hier oben. Der eine hat einen Bart und der andere eine Glatze. Jasmin bezweifelt das ganz stark, immerhin sind ihre Augen gelasert und ich bin eine Brillenschlange. Jedenfalls lassen wir den Witz der 4 Leute am Boot oder doch Wal eine Zeit lang laufen.
Eine Wolkenschicht lässt uns den perfekten Sonnenaufgang vom Meer raus nicht genau sehen. Die Sonne kommt erst etwas später aus ihrem Schlaf, aber es sieht trotzdem einfach wundervoll aus. Dafür haben sich alle Strapazen gelohnt. Als die Sonne auf einen Stand war, wo es nicht mehr sooo schön war, haben wir unseren Platz aufgegeben und uns noch kurz die Spitze mit der Aussichtsplattform angesehen. Hier hat man einen tollen Rundumblick, aber es waren auch noch immer locker 30 Menschen mit mindestens 20 Selfiesticks da.
Also, wenn man da raufwill, muss man es ganz in der Früh, oder ganz am Abend machen. Tagsüber würde ich es nicht empfehlen, da die Sonne direkt auf den Weg nach oben knallt und man durch die Steilheit der Strecke so ins Schwitzen kommt, dass es sicherlich leicht sein kann, dass man sich übernimmt. Für kleinere Kinder ist der Weg meiner Meinung nach nichts. Mit größeren Kindern geht es sicherlich, dauert aber etwas länger. Als wir dann endlich den Abstieg wagen, kommen immer mehr Leute hier hoch. Manche sehen wir wieder, weil sie uns vorher entgegen gekommen sind. Was müssen das wohl für Menschen sein die da mindestens 2 mal hochkraxeln.
Das Runtergehen war nicht so toll für mich. Bei zu hohen Stufen und ungleichen Abständen ist es immer das selbe Knie das belastet wird. Wenn man fast keine Knorpel mehr im Knie hat, dann geht das recht schnell. Dementsprechend interessant watschle ich den Berg runter. Jasmin hüpft aber froh und fröhlich runter, als ob nichts wäre und die Bergziegen hier können sich was anschauen. Ach Mist, es gibt ja keine Bergziegen in Hawai‘i. Da Jasmin so runterrennt, übersieht und überhört sie auch das Rascheln zu meiner Linken. Ein Mungo folgt mir und als ich das Handy zücke verabschiedet er sich ins Dickicht. Plötzlich ruft meine mir Angetraute auf. JETZT ist es gleich soweit, wir müssen Hanauma Bay buchen!!! Es ist gleich 7 Uhr! Ja, klar, wir huschen die letzten paar Meter runter und nehmen die Handys zur Hand.
404 keine Verbindung – Server not found. Wir kommen mehrere Minuten nicht rein. Logischerweise aber andere dann auch nicht. Es ist 7:04 und plötzlich geht es. Jasmin wird hektisch, die Uhrzeit bis 10:00 sind schon alle besetzt. Ich klicke irgendwohin wo noch genügend Tickets frei sind, die Uhrzeit beachte ich nicht mehr. Schnell schnell Daten eingeben, damit man zum bezahlen kommt. Jasmin flucht wieder, weil es keine Tickets gibt. Ich komme in die Schlange und habe 10 Minuten Zeit meine Tickets zu bezahlen. Leider sieht man nicht mehr welche Uhrzeit ich gebucht habe, Jasmin wird noch viel nervöser, weil sie nicht möchte, dass wir erst um 13:00 reingehen. Das zahlt sich ja gar nicht mehr aus. Ja vermaledeit, wie jetzt? Wollen wir da rein oder wollen wir nicht da rein. Ich hab jetzt 4 Tickets! Ja aber für welche Uhrzeit!! I DON‘T KNOW!! Ja dann kauf die halt, aber wenn es zu spät ist dann… Na herrlich. Sie bekommt aber keine früheren Tickets und auch die späteren sind schon fast alle weg. Mit Einzelkarten fangen wir aber überhaupt nichts an. Ich lasse meine im Warenkorb und fahre dann mit dem Prozess fort, als sich mein Wutzwerg beruhigt hat. Hey, wir haben TICKETS!! Wir können rein. Also bezahlen wir und sehen dass unsere Startzeit 11:10 war. Juhu! Hanauma Bay darf geschnorchelt werden. Wir freuen uns.
Zurück zu Hause, werden wir zwar erwartet, aber die Wiedersehensfreude ist nicht so hoch, wie erwartet da uns 4 verschlafene Augen ansehen die noch irgendwie komisch unter der Decke hervorlugen. Na gut, wir machen dann Frühstück. Bei unserem gestrigen Einkauf haben wir Toast mitgenommen und noch eine weitere Spezialität. SPAM – Frühstücksfeisch aus der Dose und auf Hawai‘i sehr beliebt. Eine Mischung aus Leberkäse und Streichwurst. Die Mädels rümpfen die Nase und bezeichnen es als Katzenfutter. Vergleiche mit Sheba und Whiskas werden gezogen. Ich finde es nicht so schlimm. Dank dem Aufdruck auf der Packung habe ich auch schon eine köstliche Version für morgen früh, die außer mir wohl niemand essen wird. Da freue ich mich schon drauf. Gesalzene Butter, SPAM und sweetbread Taro Taste schmeckt seeeeeeeehr interessant. Das Brot ist total süß, die Butter und der SPAM machen das ganze zu einem abgerundeten Geschmack im Mund. Meine Damen ekelt es beinahe bis zum Erbrechen. Ich habe keine Ahnung, was die für ein Problem haben. Naja egal, ich lasse mir das nicht verderben, von 3 so geschmacksverwirrten Hühnern.
Wir hauen uns endlich ins Auto und fahren nach Waikiki. Alika hat uns beim letzten Mal ein paar Parkgutscheine mitgegeben. Die nutzen wir jetzt. Im Parkhaus des Sheraton Waikiki Beach Resorts wird das Auto für 4 Stunden gratis abgestellt. Sehr coole Sache. Ich habe zwar gesehen, dass wir weit von unserer Destination, dem Waikiki Aquarium wegstehen, aber so ein Spaziergang am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Ach Mist, wir haben uns ja schon ausreichend bewegt heute. Die Kinder noch nicht, also ists egal. Wir schlendern den Weg vom Hotel bis zum Aquarium. Eines kann ich euch sagen. Waikiki Beach hat einen eigenen Lifestyle. Hier steht ein Hotel neben dem anderen, Asiaten tummeln sich zu Rudeln, oder sagt man Schwärmen? Es könnten aber auch Verbände sein. Ich weiß es wirklich nicht, wie es im Land der aufgehenden Sonne genannt wird, aber es ist wirklich auffällig. Wir alle könnten uns aber einen Urlaub hier ÜBERHAUPT NICHT vorstellen. Zu lebendig, zu heiß, zu beobachtet, zu pulsierend ist das ganze Viertel. Ja, der Strand ist belebt und ja man muss es zumindest mal gesehen haben, aber länger bleiben wollen wir hier nicht.
Am Aquarium angekommen zahlen wir für uns alle 30 Dollar Eintritt. Er ist es nicht wert, kann ich euch schon mal spoilern. Ein heruntergekommenes Aquarium mit mittelmäßigen Becken. Das einzig wirklich Interessante sind die Seedrachen, die Jasmin noch nie in ihrem Leben gesehen hat. Fancy Seepferdchen die es aber nur in den Gewässern um Australien gibt. Warum sind die hier untergebracht? Sollte man hier nicht die Fischwelt der Umgebung zeigen? Sehen die Betreiber wohl anders. Das Seelöwengehege außen wird gerade umgebaut, also wohnt hier keiner. Im Museumsshop finden wir allerdings ein kleines Highlight der Reise. Armbänder bei denen man ein bestimmtes Tier in einer App tracken kann. Ich habe mich für einen Hammerhai entschieden. Sein Name ist Zipper und er schwimmt grade vor der Küste Floridas umher. Ein prächtiger Bursche. Jasmin und K1 holen sich je eine Schildkröte namens Esmeralda und Zeppe und K2 einen Delfin namens John. K2 wollte auch eine Schildkröte, hat aber nach dem Bezahlen gesehen dass es auch Delfine gibt, also musste Jasmin beim Umtauschen helfen. Eine tolle Idee wie ich finde und man unterstützt auch noch eine gute Sache. Ich verlinke euch hier mal das Unternehmen. Und natürlich laden wir alle auch gleich die App runter und jeder trackt die Tiere der anderen.
Chinatown und Mittagessen sind als Nächstes angesagt worden. Ich habe Jasmin alle Kontakte der Menschen hier vor Ort weitergeleitet und nun sind wir auch schon in Gruppen hinzugefügt worden und schreiben alle miteinander. Unser Ziel: Tochau – ein Pho Restaurant in der River Street. Parken sollen wir in der North King Street. Mein Navi leitet mich aber von der falschen Seite dorthin also verfehlen wir mal komplett das Parkhaus. Aber Parkplätze sind ja doch vorhanden, also lässt sich das bald erledigen. 16 Dollar für 4 Stunden ist zwar recht happig, aber wir machen das mal, weil wir nicht wissen wie lang wir bleiben. Wir beeilen uns und finden das Restaurant gleich. Eine „Authentic Vietnamese Kitchen“ Sowas habe ich noch nicht gegessen. Das gibt’s bei uns auch nicht. Ob es wo anders auch so ist, weiß ich nicht, aber hier is Pho eine über Tage gebrodelte Rindssuppe. Wir nehmen die vorgeschlagene Nummer 5. 2x in klein, 1x in mittel. Kanani und Sharon auch in klein. Dazu gibts noch Frühlingsrollen für die 2 Damen.
In nicht mal 10 Minuten kommt eine Schüssel die bis fast an den Rand vollgefüllt mit Brühe, Nudeln, Zwiebeln und Fleisch. Dazu gibt es einen kleinen Teller mit rohem Steak, das man in die Suppe geben muss. Soll ja durchgaren. Die Dame bringt uns ausserdem einen Teller mit Salatblättern für die Frühlingsrollen. Man muss diese einrollen und in die süß-sauer Sauce dippen. Wir bekommen noch Sojasprossen und einen riesigen Teller mit Minzblättern, Limetten, und irgendeinem Grünzeug sowie Jalapenos. Kanani mischt sich eine Dippingsauce. Man kann sie zum dippen oder reinschütten in die Suppe verwenden. Wie man möchte. Wir machen es ihm nach. Die Limette träufelt man auch über die Suppe und das Grünzeug gibt man nach Wunsch auch rein. Die Bowl geht fast über. Wie zum Kuckuck soll man das essen. Irgendwie schlürft aber jeder seinen Teller leer. K1 mag die Frühlingsrollen, K2 liebt die Suppe. Jeder schärft und würzt selber nach. Hab ich schon gesagt, dass der Geschmack ausgezeichnet ist? Nein? Ok, es schmeckt hervorragend! Eine glatte 12 von 10. Wenn ihr mal hier seid, unbedingt hingehen. Es ist kurz vor Ladenschluss um 14 Uhr, aber wir werden nicht bedrängt oder sonst was. Die Kellnerin oder Chefin kommt immer wieder her und fragt ob sie uns schon den Kaffee bringen kann. Ich verneine erstmal, aber sie bereitet schon alles für später vor. Es ist eine vietnamesische Spezialität mit Kondensmilch, aber wie genau es funktioniert hab ich nicht mitbekommen. Schmecken tut er mir aber definitiv sehr. Er wird kalt serviert mit Eiswürfeln. Sehr süß! Trifft genau meinen Geschmack.
Kanani hat es so oder so immer eilig und er stürzt nach dem Essen quasi schon wieder davon. Dieser alte Unruhebolzen, kann nicht still sitzen. Er hat noch business to do und so kommt Sharon mit uns mit und er rollt seiner Wege. Sharon braucht noch irgendwas, aber was genau hat sie nicht gesagt. Wir laufen durch Chinatown, sie führt uns in Hinterhofläden, wie man sie im Fernsehen sieht. Hier gibt es vom Hühnerfuß über Fischköpfe alles was das Herz begehrt. Wir landen in einem Hinterhofladen, wo einfach gefühlt jeder mögliche Kitsch verkauft wird. Da wollen wir nur schnell wieder raus. Die Kinder kriegen noch einen Smoothie mit Tapioka Bobas. Fürs morgige „Strandleben“ nehmen wir uns noch Manapua mit … ähnlich wie die Bao Buns, die man von daheim kennt. Gefüllte Taschen mit Fleisch drinnen, wahlweise mit Curry. Mal gedämpft, mal gebacken. Wir sind gespannt.
Nach dem ganzen Spass bekommen wir noch eine Stadtführung von Sharon. Sie erklärt uns beinahe jedes Gebäude, das wir sehen. Mehrmals fahren wir im Kreis und Jasmin übersetzt das Erklärte den Kindern komplett simultan. Es ist so, als würde ich das englische Original anhören und die Kinder die deutsche Übersetzung. Sie macht das wirklich perfekt, das könnte sie auch beruflich machen. Ich hau mich vorne schon ab und sie übersetzt stur weiter und die Kinder starren aus dem Auto und freuen sich, dass sie die Stadt nicht zu Fuß erkunden müssen.
Dieser Tag endet schon früher, da wir danach nach Hause fahren. Wir sind müde, die Mädels wollen nichts mehr machen und so bleiben wir hier und Jasmin kocht uns noch etwas. Es wird eine runde Mogelmotte gespielt und die Mädels vertreiben sich den Abend mit Backgammon während ich hier diese Zeilen schreibe. Morgen geht es an die Westseite der Insel. Was wir genau dort machen, ist noch nicht ganz klar, aber es wird sicher toll. Wie jeder Tag hier.
Unsere Pläne hier ein Haus zu kaufen und es 80% der Zeit über AirBnB zu vermieten steigen täglich. Es braucht nur mehr das richtige Haus. Und das nötige Bargeld und ein paar 100 Sachen mehr :-). Also wenn jemand eines hat dass er auf Oahu loswerden will, dann her mit dem Kontakt.
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