Hawaii (Oahu) – Tag 16 – Double Ways

Heute trennen sich unsere Wege. Jasmin hat ein Date mit Sharon und ich hab den Mädels versprochen surfen zu gehen. Was Jasmin erlebt wird sie euch selbst berichten.

Wir haben jedenfalls nach dem Frühstück die 2 größeren Surfbretter auf den Pick-Up gepackt. Die Mädels haben die Badetasche und die Kühlbox befüllt, was da drin ist entdecke ich erst später. (Takis, und Kartenspiele! Echt jetztß wann dachten die Damen dass sie am Strand Uno oder SkipBo spielen werden) Ein guter Spot soll Canoes Beach sein, etwas südlich von Waikiki. Wir parken und müssen noch kurz abwarten, denn die Kurzparkzone öffnet erst um 10:00. 2 Dollar für 4 Stunden sind vollkommen in Ordnung. Das ist aber auch das Maximum an Zeit. Ich gehe mal davon aus, dass man einfach nachzahlen kann, aber gut. Die Mädels schnappen sich die 2 Surf- und ich das Boogyboard und wir arbeiten uns nach draussen ins Wasser.

Wellen und Menschen sind vorhanden da draußen. Man sieht dass einige Surfschulen vor Ort sind. Viele haben die selben Rush-Guards an. Die ganze Aktion wird allerdings etwas schwieriger als gedacht. Als Surf-Noobie auf 2 Kinder aufzupassen und selbst noch irgendwie auf einem zu kleinen Board versuchen nicht unterzugehen UND dann noch ein Kind auf Board anzuschubsen. Ach ja: die richtige Welle erwischen wäre auch nice. K2 proklamiert sie kann es eh selber, ich brauche nicht antauchen und K1 dümpelt irgendwo rum. Ein paar Wellen kriegt K2 aber doch. Leider auch ein paar Überschläge. Passiert ist nichts, außer ein paar Schürfer. Weiter draußen tauchen Felsen auf. Dort brechen die Wellen super, aber es ist auch dementsprechend gefährlich, dort zu warten. Hab ich dann auch gemerkt muss ich sagen. K2 werden die Wellen dann zu hoch und zu wild. Sie hat es diesmal leider nicht geschafft mal aufzustehen. K1 kommt zumindest auf die Knie und surft eine größere Distanz. Aber so wirklich spaßig ist es auch für sie nicht gewesen.

Man muss es leider als Schuss in den Ofen abtun. K2 schwimmt mit dem Boogeyboard zum Strand und ich probiere mein Glück. Ich treibe auch immer wieder ab und als ich eine Welle nehmen will, taucht plötzlich ein Schildkrötenkopf 20cm von mir entfernt auf und ich breche den Wellengang ab. Ich betrachte die Schildkröte, wie sie unter mir durchtaucht. Man sieht ihren Panzer und wie sie sich bewegt. Einfach schön. Es soll einfach nicht sein und ich „finde“ keine perfekte Welle für mich. Da K1 auch noch rumdümpelt, drehe ich ab und wir schwimmen wieder an den Strand zurück.

Die Mädels bespaßen sich selbst mit dem Boogeyboard im seichten Wasser. Sie wollen nicht mehr surfen. Auch meine Freude schwindet. Ich sehe immer wieder Surfschulen, die mit 2 Lehrer auf bis zu 10 Schüler vor mir ins Wasser gehen. Es sind oft seeeehr viele Menschen drin und die Wellen weiter links sind mir zu hart. Wenn die Menschen weg sind, dann sind auch keine Wellen da. Es macht den Anschein, dass die Schulen hier die Zeiten so geplant haben wann die Wellen gut sind. Mein letzter Versuch nochmal eine Welle zu erwischen, scheitert ebenfalls. Ob es nun an dem Board, meinen fehlenden Kenntnissen, der falschen Einschätzung der nächsten Welle liegt oder an sonstigen Nichtwissen kann ich nicht beurteilen. Wahrscheinlich eine Mischung aus alledem. Wir kommen aber zu dem Konclusio, dass man mehr als 1 Stunde Kurs benötigt um ein bisschen Surfen zu können.

Unser Parkticket läuft um 14 Uhr ab, also gehen wir auch dann zum Auto. Die heutigen restlichen Dinge die ich zu erledigen habe sind: Zum Krankenhaus fahren um die Rechnung zu bekommen und zum UniShop zu fahren um mir endlich ein passendes Shirt der Rainbows zu holen. Beim Krankenhaus wird mir gleich geholfen, man muss in das Hauptkrankenhaus und dort zum Financial Department. Eine nette Dame vor Ort druckt mir die Rechnung sofort aus. Sie macht mich auch noch darauf aufmerksam, dass ich die Rechnung vom Arzt noch bekomme werde. Ich zeige ihr eine Email, die ich heute erhalten habe, und sie bestätigt, dass dies vom Arzt ist. Na gut, nochmal 900 Dollar zu den ca. 4700 geaddet. Juhe. Parken war zumindest gratis. Wenigstens wissen wir jetzt, dass nix mehr weiteres kommt. Die Rechnung vom Arzt müssen wir allerdings bei einer anderen Institution anfordern. Naja was soll’s unser Pimpf ist wieder gesund und jetzt haben wir halt noch ein paar Wege. Hätte schlimmer kommen können.

Keine 15 Minuten weg vom Krankenhaus befindet sich die Uni. Die Mädels bleiben wieder im Auto und ich schau, dass ich schnell den Shop finde. Irgendwie komm ich mir schon komisch vor zwischen den Studenten am Campus. Mit Badehose und Shirt watschle ich zum Shop. Ein riesen Ungetüm mit sämtlichen Merch den man sich vorstellen kann. Von Kleidung über Accessoirs zu Hundewäsche, Sitzauflagen. Keine Ahnung was noch alles. Ich finde ein passendes T-Shirt und mache mich auf den Weg zurück.

Zuhause angekommen serviert Jasmin uns ihre selbstgemachten Nudeln. Das war ihr heutiges Date. Einen Pastakurs bei einem italienischen Chefkoch mit Sharon. Es war ausgezeichnet! Wir ruhen uns etwas aus und machen uns für den Abend fertig. Ein reservierter Tisch im Ka La‘i Hotel. „just for the Firework“ wie es Alika sagt. Essen sollen wir dort maximal eine Vor- oder Nachspeise oder einen Kinderteller. Der Rest ist zu teuer. Na schauen wir mal. Wir sollen das Valet Parking nutzen, weil es gibt dort keine Parkplätze, na das wollen wir mal sehen, sagt unser Parkplatz-Trüffelschwein Jasmin.

Frisch geduscht, eingeduftet und geschniegelt fahren wir zum besagten Hotel. Ein direkt vor der Türe befindlicher Riesenparkplatz lädt uns zum dort Parken ein. (Da wissen wir noch nicht dass die ca. 2 Stunden 24 Dollar kosten werden). Der Hoteleingang wird grade umgebaut und darum gibt es dort modernes Pressspan in weiß mit ein paar „Sorry for..“ Schildern. Macht uns gar nix, wir steigen in den Aufzug und fahren in den 6 Stock. Ahhhh, jetzt checken wir auch, wie man hier das Feuerwerk vom Hilton Hotel sehen kann. Ich frage um den reservierten Tisch und der Kellner bringt uns sogleich hin. Alika spielt noch vor sich hin und freut sich, dass er uns sieht. Wir bekommen die Karte und bemerken: Joa, hier ist mal wirklich nix Günstiges dabei. Chips und Sauce für 19 Dollar. Ja, beide sind selbst gemacht, die Chips aus Taro, aber das war auch ansatzweise das Günstigste. Wir bestellen noch etwas von der Kinderkarte und eine Sushirolle sowie eine Nachspeise.

Als die restlichen Mitesser kommen, setzen sich die Mädels wieder alle zusammen, nur um dann doch wieder jede auf ihr Handy zu starren. K1 möchte weiterhin nicht englisch sprechen, K2 würde zwar gern, kann aber nicht. Also Google Translator wieder zur Hand nehmen. Es ist total lustig anzusehen, wie schwer und auch gleichzeitig leicht sich die Kinder damit tun. Sie haben alle irgendwie verlernt, miteinander zu sprechen. K1 zerdenkt einfach alles und K2 plappert drauf los ohne dass sie irgendwas versteht. Bei den anderen beiden ist es ähnlich nur umgekehrt.

Um Punkt 20:00 startet das Feuerwerk des Hilton Hotels. Es werden sogar die Lichter bei uns ausgemacht, sodass man es besser sehen kann. Wie schon letzte Woche bemerkt ist es ein Wahnsinn, was da jede Woche in den Himmel geblasen wird. Der Nachtisch ist einfach himmlisch. Übrigens das ganze Essen. Wir genießen die Zeit mit unserer Ohana hier. Als wir unsere hawaiianische Familie zum Essen einladen, bemerkt der Kellner, dass sie uns eine Rechnung als Locals machen. Er gibt uns einen Discount für kama‘āina, was wortwörtlich „Kind des Landes“ bedeutet. Das sind dann immerhin 12 USD (das halbe Parken).

Ein letzter Stop wird noch eingelegt. Die Mädchen wurden von unseren Host-Kindern zu Ululani‘s Hawaiian Shaved Ice überredet. Wir wollten sie sowieso einladen, also stimmen wir zu. Lohi fährt vor, und da ich nicht über rote Ampeln fahre, hat sie einen Vorsprung und sie bestellt schon für sich und ihre Kinder. Mist, wieder nichts mit dem einladen zum Eis. Wir teilen uns zu 4t 2 Becher und auch hier muss ich meiner anfänglichen Abneigung wiedersprechen. Dieses Shaved Ice kann ich ausnahmslos empfehlen. Auch Jasmin, die normal üüüüberhaupt keine Eis-Esserin ist, möchte unbedingt nochmal hierher.

Der Tag endet damit, dass wir unsere Pläne für morgen und die Tage immer wieder adaptieren. Ich muss nämlich heute schon sagen, dass wir unsere Bucketlist beinahe komplett abgearbeitet haben. Lediglich ein paar Sachen sind noch offen, die wir aber schon eingetaktet haben. Ihr werden jetzt denken: Moment, die haben ja noch ein paar Tage und wie klein war diese Liste bitte. Sie war lang genug wir dachten, das geht sich nie aus und wir haben vor irgendwann wieder herzukommen. Ob mit oder ohne Kinder, aber diese Insel hat uns nicht das Letzte mal gesehen. Auch hat uns Kanani versprochen: Solange seine Familie hier lebt, werden wir immer einen Platz hier haben und sind jederzeit herzlich willkommen. Wir sind Ohana.

Und Ohana wird hier groß geschrieben.

Ab hier wird Jasmin ihren Tag beschreiben:

Grundsätzlich ist mein Tag genauso gestartet wie der vom Rest unserer Bande, nämlich mit Frühstück. Super war allerdings, dass ich weder Badesachen gepackt habe noch irgendwelche Jause gerichtet hab. Fast wie Urlaub :-).

Um pünktlich 9 (naja hawaiianische Pünktlichkeit also irgendwas um 9ish) holt mich Sharon ab und wir klären gleich im Auto, dass sie der Fahrer ist und ich der Guide. Sie war nämlich auch noch nie dort, wo wir heute hinfahren. Darum gibt sie mir ihre Mitschrift vom Telefonat mit der Agentur, die die Pasta Cooking Class organisiert und ich versuche aus den 3 Adressen mal die rauszufinden, die einem Parkhaus am ähnlichsten klingt.

Während der Fahrt führen wir angeregte Gespräche auch mit dem Rest der Familie am „Main-Land“ die anrufen und siehe da – Google Maps und ich finden das Parkhaus auf Anhieb. Dort wird es etwas tricky weil wir in den 5. Stock rauf fahren müssen und die Parkhäuser hier sehen alle aus wie Thunfischkonserven. Niedrig UND eng. Aber Sharon mit ihren 79 Jahren meistert das wie eine 25-jährige! Oder vielleicht sogar besser.

Oben angekommen sind wir auch schon beinahe bei der Location. Hier gibt es mehrere „Showküchen“ weil dort verschiedene Kochkurse angeboten werden. Organisiert wird das ganze vom Finanzplaner der Familie, der jedes Monat unterschiedliche Dinge für seine Kunden anbietet. Kochkurse, Lei-Binde-Kurse uvm. Du wirst dort eingeladen und kannst einen Gast mitbringen. Daher ist es mir eine besondere Ehre.

Wir sind hier mit ca 13 anderen Personen, die den Kurs besuchen und mit Chef Andrea (einem original waschechtem Italiener, der seit 15 Jahren hier lebt) und 2 Angestellten dieser Location. Sharon stellt mich allen als ihre Familie aus Österreich vor und es geht gleich los mit den gewohnten Fragen – wie lange der Trip war usw. Chef Andrea erzählt, dass er auch einige Male in Österreich war und auch sonst mit seinen Eltern in seiner Jugend viel in Europa rumgereist ist. Nach Hawaii kam er durch seine mittlerweile Ex-Frau.

Vor uns steht ein großer Tresen auf dem je paarweise Nudelmaschinen (Handbedienung) stehen und für jede Person sind 2 Eier und verschiedene bereits abgewogene Mehle in Schüsseln vorbereitet. Chef Andrea ist sehr lustig und auch mega zynisch, so wie man sich einen typischen Küchenchef vorstellt. Er sagt uns zu Beginn, dass alles gut enden wird, aber wir vorher durch ein Tal der Tränen wandern müssen. Das Essen werden wir uns verdienen müssen. Und so ist es auch :-). Das händische Kneten des Nudelteiges löst doch etwas Verzweiflung und Handkrämpfe bei meinen amerikanischen und asiatischen Mitkneter*innen aus. Mir helfen die 4 Jahre Kochlöffelschule und das Armtraining im Gym enorm und alle paar Minuten nimmt mir Chef Andrea meinen Teig weg und zeigt den anderen, was möglich ist, wenn sie trotz der Zweifel einfach weiter machen. Spoiler – alle schaffen es 🙂

Dieser Teig wird eingewickelt und ruhend gestellt und wir arbeiten mit einem Teig vom Vortag weiter. Wir erstellen alle Sorten von Pasta in Teamarbeit mit der Handkurbelmaschine und werden währenddessen von Chef Andrea mit Philosophie über Essen, Kultur, Italien, Europa und Amerika unterhalten. Ein wirklich cooler Typ mit äußerst interessanten Ansichten, der sein Handwerk bis in die Feinheiten der Chemie rein versteht.

Als wir alle unsere Nudelnester mit gut Mehl in den Kühlschrank getan haben, geht es an den noch angenehmeren Teil. Wir bekommen Antipasti, Bruschetta und 2erlei selbstgemachte Pasta sowie als Grande Finale eine Panna Cotta serviert. Dies alles im italienischen slow-food-Stil. Chef Andrea versteht gar nicht, was das „Slow Food“ Ding überhaupt soll, er kennt es nicht anders. Bei ihm dauert Essen immer Stunden. Er ist generell sehr achtsam und weist uns auch wirklich darauf hin, dass jeder sich mit seiner eigenen Ernährung auseinander setzen soll und niemand so ist, wie der andere. Also nimmt er total Abstand von generalisierten Aussagen und gibt viel Verantwortung an jeden einzelnen, was er wann wie seinem Körper zuführt.

Der Vortrag, die Gespräche sind lustig, anregend und äußerst interessant. Wir gehen total gesättigt aus dem Lunch hinaus, wurden mehrfach darauf hingewiesen welche Koch- oder Essensgewohnheiten uns direkt in die „Hölle“ bringen werden und die 3 Stunden sind wie im Flug vergangen.

3 Stunden!!! Sharon ist in Eile, sie muss Kanani heute zu einem Appointment bringen. Und das pünktlich, weil er ist nicht geduldig. Wir schaffen es noch gerade so rechtzeitig hin, was darin endet, dass ich plötzlich mit Sharons Auto weiterfahre. Nunja so bin ich auch mal in den Genuss des Autofahrens auf Oahu gekommen :-). Zu Fuß gehen sehen unsere Gastgeber gar nicht gern, drum war mein Angebot, sie soll mich einfach auf der Straße raus lassen, ich geh die 25 Min heim (ich bin im Urlaub und hab Zeit) mittels tauber Ohren mehrmals standepe überhört worden.

Zuhause bei Alika und Lohi angekommen, überkommt mich die Lust einfach den frischen Nudelteig von heute (wir haben ja nur den von gestern mit der Maschine verarbeitet und den frischen als Kugel mitbekommen) gleich zu verarbeiten. Ich kenne mich, entweder mach ich es jetzt oder nie mehr. Daher schnell, wo ist ein Nudelholz? Brettl? Nudelmaschine? Finde ich Mehl? … Ähm Fehlanzeige. Ok was sagt mein Hirn nach 4 Jahren Kochschule? … Ich brauche eine Unterlage, irgendwas zum Schneiden und eine Flasche. So mache ich mit einer Glasplatte, einem Pizzaschneider und einer großen Flasche die Nudeln meines Lebens. Was mit der Maschine 15 Minuten gedauert hat, dauert nun 1,5 h. Gut waren sie dennoch und die Family hat es zu schätzen gewusst, dass sie frische Pasta bekommen haben, als sie vom Surfversuch heim gekommen sind. Ein bissl ist noch für unsere Ohana hier übrig geblieben, der Geschmackstest ist noch ausständig, weil sie erst später kosten werden.

Der Teil den ich heute mit Sharon und alleine verbrachte, hat meine Tanks wieder gut gefüllt und ich bin guter Dinge und voll Motivation für die kommenden Tage.

Mahalo fürs Lesen

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