Ein Affront gleich beim Frühstück. SPAM in die Eggs geschummelt. Die Damen haben es rausgekletzelt. Es war aber eh nur ein Viertel von der letzten Portion. Wie konnte ich mir das nur erlauben. Schande auf mein Haupt. Ich gelobe Besserung und werde es in Zukunft so klein schneiden, dass es keiner mehr raussuchen kann.
Heute haben wir Vollprogramm. Um 9 Uhr haben wir einen Stepptanzkurs für K2, welchen sie gestern noch mit Hualani ausgemacht hat. Ja eh, kein Problem, wir haben keinen Stress heute. Wir müssen eh erst um 12:30 beim Polynesian Culture Center sein. Während K2 beim Kurs ist, bleibt der Rest von uns beim daneben liegenden Farmers Market. Jasmin ist sich sicher, dass der Chefkoch von gestern auch hier ist, weil er Farmers Market gesagt hat. Wir suchen vergebens. Nun endlich googelt sie, wo er ist und findet raus dass er 5km weiter weg auf einem anderen Markt ist. Na egal, wir schauen hier weiter und finden alles mögliche. Vom Obst über Smoothies und Hot Dogs und und und. Man kann sich den Bauch vollschlagen. Wir haben schon gegessen und sind froh, dass wir uns nicht anstellen müssen.
Um 9:40ish gehen wir zum Steppkurs und schauen uns an, was K2 gelernt hat. Für das erste mal macht sie das super. Sie beobachtet genau und klappert dann nach. Beim letzten Gruppentanz sagt die Lehrerin ihr, dass sie aussetzen soll, weil das doch etwas schwerer ist. Hualani und die Gruppe zeigen uns, was sie in den letzten Wochen gelernt haben. Riverdance lässt grüßen. Auch sehr toll! Alika war auch für einen Sprung da, filmt kurz und ist wieder weg. Es ist sehr stressig grad bei ihm und wir sehen ihn wenig. Die Lehrerin sagt uns noch, dass K2 ein Schwamm ist beim Lernen, alles aufsaugt und sofort umsetzt und wenn sie mag, wir ihr einen Kurs in Europa besorgen sollen. K2 sagt, sie weiß nicht, das will sie mal überlegen.
Als das Ganze fertig war watschelten wir auf den Parkplatz zurück und wollten losfahren. Mein Navi führt mich quer über den Parkplatz auf den Hintereingang. Jasmin basht Apple Navi sofort wieder. Und sie hat mal wieder recht. Es wäre ja eine Ausfahrt, wenn hier nicht zwei Steher einbetoniert worden wären. Also retour, umdrehen, das ganz umfahren und den anderen Weg nehmen. Ab jetzt geht alles ganz einfach und der Weg ist mehr oder weniger bekannt. Den Highway 1 bis zur Abfahrt Kalihi Street – die wird dann der Likelike Highway der bis nach Kaneohe geht und dort dann den Kamehameha Highway nach Norden bis zum Polynesian Culture Center folgen. Wir kommen dort um 11:20 an und vertreten uns die Beine beim angeschlossenen Markt.
Da wir unsere Tickets schon vorab gekauft haben (um sage und schreibe 15% zu sparen) brauchen wir uns nicht anstellen, um welche zu kaufen. Der Markt ist riesig, mit verschiedensten Shops und Food Trucks. Das Theater für das Abendprogramm ist auch hier. Wir schauen überall mal rein, finden zwar einiges Passendes, nehmen aber nichts mit. Um 12:30 öffnet dieser Spass und wir stürmen rein. Es sind schon einige Leute hier und wir werden gut weitergeleitet. Die Leute sind so freundlich, dass es fast schon spooky ist.
Die Eröffnungszeremonie um 12:40 müssen wir natürlich sehen. 6 Inseln werden hier im Polynesian Culture Center zur Ohana der Polynesier gezählt. Tahiti, Hawai‘i, Tonga, Neuseeland, Samoa und Fiji. In einem Kanal werden 2-rümpfige Boote mit jeweils 6 Personen durchgerudert. Jedes seine eigene Musik, jedes seine eigene Kleidung und seinen eigenen Tanz. In diesem Moment hat es Tonga uns am meisten angetan. Dieser aggressive Tanz war beeindruckend. Und hier die Frauen hervorgehoben, die einen Ausdruck hatten, der zum Fürchten war. Da fährt einem die Gänsehaut hoch und man wünscht sich nicht, so eine Frau daheim zu haben. Die wirft einem das Messer oder in dem Fall den Speer gleich mal nach. So eine Energie wie in dieser kurzen Sequenz hat man selten erlebt. Auch wenn man gleich merkt dass es nur 2 Gruppen sind und somit alle hier mehrfach auf den Booten sind. Diese Darsteller schaffen es sich so auf die jeweilige Kultur einzustimmen, sodass man bei einer anderen Inselgruppe es schon wieder vergessen hat, dass dieselbe Frau 2 Minuten vorher dir das Herz rausreissen wollte.
Zu den Darstellern: Es handelt sich hier zwischen 80-85% um Studenten aus Polynesien. Sie bekommen hier ein Stipendium und bewerben sich sogar hier arbeiten zu dürfen. Die Dauer der Anstellung ist soweit ich es verstanden habe individuell. Dafür haben sie dann keine lebenslangen Schulden durch ein Studium, wie es sonst der Fall wäre. Es ist wirklich irre, was die drauf haben. Wir checken erst jetzt diesen gigantischen Plan, den wir uns am Eingang geschnappt haben. Jede Insel hat ihr eigenes Programm, eigene To-Dos, wo man mitmachen kann, eigene Shows. Und klar, wird vieles doppelt gemacht, aber einige spannenden Sachen überschneiden sich und so stellen wir nun fest, dass es ganz und gar nicht abwegig ist, dass man das Ticket für 3 aufeinander folgende Tage nutzen kann. Man kommt in einem Tag NICHT durch. Wer das schafft, der hat sich geklont. Die Shows sind im Halbstundentakt und dauern 20 Minuten. Da kommt man grad so zur nächsten mit ein paar Minuten ausruhen. Und dazwischen soll man noch irgendwo mitmachen, die Ausstellung anschauen, was essen, aufs Klo gehen und wer weiß was noch alles. NICHT machbar! Ist den Preis dann definitiv gerechtfertigt. Am besten hat man in der Umgebung noch eine Wohnung. Wenn man so wie wir über 1 Stunde pro Richtung fahren muss, dann tut man sich das nicht an. Zumal das Thema auch ist, dass die Shows nur bis 17:00 gehen. Also hat man von 13 bis 17 Uhr Zeit, sich das reinzupfeifen.
Hier alles zu beschreiben, ist nicht möglich. Wir haben uns auf beinahe jeder Insel zumindest eine Show angesehen. Und eines kann ich sagen. In Samoa stehen sie offenbar auf ganz trockenen, schwarzen Humor mit einer ordentlichen Prise Sarkasmus. Einfach himmlisch. Das Mittagessen war sehr gut. 2x Burger und 2x Teriyaki Chicken Box. Danach gab es in Samoa ein Traditional Food Tasting. Breadfruit (Brotfrucht) mit Zwiebeln und Kokosnussmilch. K2 war nicht sooo begeistert, uns anderen hat’s überraschenderweise sehr geschmeckt. Wie Kartoffelpüree mit Kokosmilch. Wir hetzen zurück nach Tahiti, um uns eine Hochzeitszeremonie anzusehen und werden dazu angehalten, gleich mitzumachen. Der Tanz davor und danach ist eher Jasmins Ding. Als es endet, müssen wir uns sputen um zurück nach Samoa zu kommen, eine Fireknife Show wird noch aufgeführt. Davor gibts noch ein bisschen Geschichte. Der vortragende Chief ist das Lustigste, was ich seit langem gesehen habe. Wir beraten uns ob er eingeraucht oder betrunken ist. Ständig übersetzt er Worte in verschiedenste Sprachen. (Hauptsächlich Asiatisch) Er entzündet eine Kokosnussschale, nur um das brennende Ding mit seinen bloßen Füßen auszutreten. Die sind natürlich komplett schwarz danach, aber das macht ihm nichts. Er ist der letzte echte Samoaner, also brauchen die Frauen gar nicht mehr hinfahren, weil so einen wie ihn, gibts nicht mehr. Für die Mädels wirds schwer mit dem Verstehen, übersetzen ist sowieso unmöglich, bei dem was er von sich gibt. Also lassen wir es und schauen uns an wie danach ein weiterer Mann in 5 Sekunden eine Kokosnusspalme hochklettert. Die Fireknife-Show danach ist ebenfalls beeindruckend.
Als letztes gehen wir nach Aotearoa (Neuseeland) und hören uns dort noch zum Abschluss des Tages ein paar Dinge an. Es wird ein kurzes Tanzlied eingespielt, ein Stockspiel präsentiert und die Ahnen werden geehrt. Als Abschluss zeigen sie uns einen Haka, der mir wieder sämtliche noch verfügbare (ja da gibts noch ein paar) Haare aufstellt. Bei diesem Kriegstanz wird mir jedes mal ganz anders. Mit Ende dieser Vorführung endet auch der offizielle Teil auf den „Inseln“. Alles macht zu und die Menschen werden zum Aliʻi Lūʻau gebeten. Also zum Abendessen mit traditionell 8 Stunden im Erdloch gedünsteten Schwein und noch 100ten weiteren Feinheiten. Jasmin hat dies geskippt, da es ja draußen auch viele Foodtrucks gibt. Auch unsere Gastgeber haben uns davon abgeraten. Es sei nicht gut und viel zu teuer. Wie gut, dass ich eine so super vorbereitete Frau habe, die sich um alles kümmert. Und so vertreiben wir uns die Zeit mit Giftshops schauen und um 6:30 noch einen 15-minütigen Preview Film über Jeri eine der wenigen weiblichen Fireknife Schwingerinnen. Perfekt getimt geht es anschließend zum großen Finale des heutigen Tages.
HĀ: Breath of Life ist der krönende Abschluss eines kulturellen Tages. Hier darf man nicht filmen oder fotografieren. Aber das braucht man auch gar nicht. Eine kleine Geschichte von der Geburt über die Kindheit zur Jugend und dem ersten Verliebtsein, zur Hochzeit und dann selbst eine Familie gründen, sowie den Tod umspannt alle Inseln und endet mit einer spektakulären Feuershow. Man weiß gar nicht mehr, wo man hinschauen soll. Es passiert so viel auf dieser Bühne, dass man teilweise leicht irritiert ist und gar nicht mehr der Hauptstory folgen kann. Eine weibliche Fireknife Tänzerin, die wir als diejenige vom Film ausgemacht hätten, Jasmin aber dagegen stimmt, bekommt riesigen Applaus am Ende. Ein paar bauen eine menschliche Pyramide und schleudern ihre brennenden Essstäbchen umher. Auch sehr sehenswert.
Wir verzichten auf die Fotos danach mit den Artisten und schauen dass wir zum Auto kommen. Uns wurde geraten, vorher weg zu sein, bevor die Busse fahren. Da es ja nur 1 Straße gibt, steckt man im Verkehr fest. Wir fahren ein bisschen und bleiben noch bei Domino‘s Pizza stehen. Jetzt sind alle hungrig. Wir bestellen 2x small und 1x large + 4 Getränke. Müssen dafür 75 Dollar berappen! Don‘t go there!!! Das Verhältnis passt definitiv nicht. Auch wenn die Mädels sich eine teilen hätten können und wir sozusagen eine 80%ige small Pizza mitnehmen, ist das viel zu teuer. Zumindest wir haben keine Angebote vorgeschlagen bekommen. Der Geschmack ist aber gut.
Durch unsere wirklich lange Essenspause hat sich auch der Verkehr komplett verzogen. Und so fahren wir gemütlich nach Hause. Es ist kurz nach 23:00 und ich hab absolut keine Lust mehr, irgendwas zu schreiben. Der morgige Tag ist bis auf „American Chinese Food“ und Hula-Tanzen komplett free. Es ist Labor Day Weekend und gefühlt jeder ist in Urlaubsstimmung. Das hilft natürlich total, hier irgendwas zu planen. Naja macht nichts, wir ruhen uns erstmal aus, das ist auch dringend nötig.
Mal Ausschlafen und ungeplant in den Tag leben
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