Hawaii (Oahu) – Tag 21 – Heimreise mit Fernweh

Unser letzter Tag startet um 6:30. Wir denken, dass wir in der Früh alle verabschieden müssen, denn wir sehen sie ja nicht mehr. Alle steigen irgendwie wie Zombies durch das Haus. Der Druck des Heimfliegens lastet schwer auf unseren Schultern. Lohi und die Mädels müssen in die Schule, sagt uns aber dass wir uns später nochmal sehen, weil sie alles tun werden, dass wir uns ordentlich verabschieden können. Alika muss leider arbeiten, aber wir wollen eh zu Mittag wieder daheim sein, also passt das genau.

Wir haben noch 1-35 Erledigungen und dann gehts ans Koffer packen. OH GOTT, Jasmin graust es schon, es ist so viel Zeug und gestern hat Sharon uns auch noch was gegeben. Wo soll das alles hin? Und Jasmin hasst Koffer packen sowieso. Liebt Reisen, hasst Koffer packen – seltsam. Ich denke mir: Im schlimmsten Fall kaufen wir uns noch einen Koffer und zahlen beim Flughafen extra auf. Wird schon irgendwie schief gehen. Die letzte wirklich gute Ananas, bevor wir wieder die grün geernteten essen müssen, wird aufgeschnitten, der restliche (wirklich gute) Spam verbraucht. Wir sind super ausgekommen mit unseren Vorräten. Viel mussten wir nicht entsorgen oder nachkaufen. Und das was wir hiergelassen haben, ist wirklich überschaubar. Schnorchel & Brillen und unsere Wasserschuhe. Weil wir das alles daheim haben. Ein bisschen Brot und etwas Butter. Ein Verdünnersaft, 2 Äpfel und das wars dann auch.

Als wir beim Frühstück sitzen, springt Alika plötzlich auf. Er hat K2 in den ersten Tagen versprochen, er macht Saft aus dem Sugarcane (also Zuckerrohrsaft) welches in seinem Garten wächst. K2 war schon etwas ungeduldig und hat in der letzten Woche jeden Tag gefragt, wann dies denn endlich passieren wird. Gestern hatte sie es dann aufgegeben. Das ist gemein, er hat gsagt er macht es und dann macht er es nicht. Ja sorry, ist ja nicht so, dass er zu unserem Vergnügen Saft herstellt. ABER jetzt ist offenbar der richtige Zeitpunkt um den Saft zu pressen. Er hackt draussen mit einer uralten rostigen Machete ein Rohr klein, spannt es in eine nigelnagelneue Maschine ein und versucht das Rohr durchzuquetschen. Es sieht sehr schwierig aus und ich eile zur Hilfe. Halte ein mein hawaiianischer Cousin, ich eile, ich eile. Da es schon länger hier liegt, ist es nicht mehr soooo elastisch und man braucht ganz schön Kraft dafür. Ich übernehme die Kurbel und 3 Leute halten die Presse, weil sich alles bewegt nur nicht das Zuckerrohr. Nach harten und zähem 10 Minuten Kurbeln tropft unten leicht der Saft in einen Auffangbehälter. Aus so 50 cm Zuckerrohr kommen doch 4 kleine Gläser Saft raus. Er hat einen ganzen Strauch zu entsaften. Also mehrere Meter. Aber dabei kann ich ihm nicht mehr helfen. Aber jetzt ist er grad so schön motiviert, drum will er es jetzt angehen. Er will grad die anderen Rohre auseinanderhacken, als seiner Machete der Griff abbricht. Genau so morsch wie ein von Borkenkäfer zerfressener Baum der seit Jahren im Unterholz vergammelt. 

Ok, dieses Projekt ist erstmals gescheitert. Er macht uns aber Gläser mit Eiswürfel bereit und serviert den Drink. Es hat was von einer sehr erdigen Wassermelone. K2 rümpft die Nase und trinkt keinen Schluck mehr als die Kostprobe. Für ihre Hartnäckigkeit und ihre Ungeduld muss sie noch mindestens 2 Schlucke trinken. K1 ist ebenfalls nicht begeistert und lässt den Saft stehen. Ich finde ihn jetzt auch nicht mega, aber es ist definitiv mehr als trinkbar. Jasmin findet ihn eigentlich ganz ok. Alika telefoniert mit jemandem um eine neue Machete zu organisieren.

Wir machen uns rasch fertig und fahren ein letztes Mal zum Swap Meet. Ein Henna Tattoo will noch gemacht werden. Nachdem wir uns ja gestern verschönert haben, wollen die Mädels auch. Wir haben ihnen letzte Woche gesagt, dass es Sinn macht, wenn man es so spät wie möglich erledigt, damit sie es lange haben. Also ist am Abflugtag der richtige Zeitpunkt dafür. Und 1-2-3 Mitbringsel wollen auch noch besorgt werden. Wir gehen sofort zu dem Hennaladen und finden eine eher unmotivierte Einheimische vor. Nach einer kurzen Durchsicht der vorhandenen Unterlagen finden beide gleich etwas, das sie sich aufmalen lassen wollen. Ich wollte mir noch eine zusätzliche Tasche für meinen Rucksack besorgen, aber es waren heute leider keine da. Manchmal am Wochenende sagt die Verkäuferin. Unsere Damen wollen ihre restlichen Dollar noch auf den Kopf hauen und statten K2‘s Fake-Labubu mit Fake-Gucci Kleidern und Schuhen aus. K1 kauft sich noch so ein komisches Gummiklebding, das man sich auf den Laptop klatschen kann. Keine Ahnung für was man das braucht. 

Jasmin treibt zum Weiterkommen. Don Quijote wurde uns gestern noch angetragen. Ein wahnsinniger Asia-Laden. Kanani sagt, dort gibt es Dinge, die er noch nirgends gesehen hat. Ihn würde es nicht wundern, wenn jemandes Großmutter dort eingefroren wäre. Wir finden den Riesenladen auf Anhieb und hetzen rein. Nur um dort von der schieren Masse der Artikel erschlagen zu werden. Jasmin findet nun ENDLICH ihre Trinkflasche mit Biegestrohhalm. So wollte NUR so eine haben. Mit 7,5 Litern Inhalt, dass man eine Woche auskommt und sie hält auch noch 45 Stunden kalt aber nur 2 Stunden warm. Genau so einen kleinen Mülleimer wie er bei allen im Badezimmer steht. Ja, ich hab mir auch einen gekauft, ist schon klar. Und meiner ist NOCH größer. Ich finde noch eine Trainingshose und wir kommen zufällig beim Kühlregal vorbei. Mochi-Eis mit Mango Geschmack. SEHR LECKER! Dass die Dinger nur bis kurz nach der Kasse gehalten haben, muss ich nicht extra erwähnen. 

Nächster Halt: Ululani Shaved Ice – one more time. Genau so super glücklich wie beim letzen Mal, verlassen wir das Lokal mit Plänen, dass wir doch in Klagenfurt einen Laden aufmachen können. Das kennt niemand und wenn das Ding SOOOO gut ist, dann werden die Leute Schlange stehen. Es stehen uns nur die Sommer im Weg, die man ja dann nicht in den Urlaub fliegen kann. Hmmm, wie werden wir das lösen? Wir wissen es noch nicht. Und das Geschäft muss so gut laufen, dass wir den Laden im Oktober zumachen können, weil mal ehrlich: Wer geht im Winter Eis essen? Nächste Haltestelle – einmal noch zu Ross. Diesmal aber weil wir WIRKLICH was brauchen. Keiner erinnert sich ob K2 eine lange Hose mitgenommen hat, die nicht irgendwie flatterig ist und nicht allzu dünn. Es wird frisch in San Francisco und alle wollen irgendwie lange Hosen tragen. Keine Ahnung welcher Trend das wieder wird, aber gut. Während die Damen dort ihre Suche verbringen, gehe ich den Pick-Up tanken. Eine kleine Zeitersparnis. 

Und nun fahren wir nach Hause. Die letzte Tour zu unserer Wohnung auf Zeit. Alika will verabschiedet werden und unser letztes Mittagessen soll eingenommen werden. Der letzte Rest der Ananas muss verspeist werden und die Koffer müssen gepackt werden. Die Verabschiedung ist kurz und schmerzlos. Naja nicht wirklich. K1 und K2 rinnen die Tränen aus den Augen und Jasmin ist auch schon kurz davor. Alikas Brille ist auch schon angelaufen und er winkt ab, dass es jetzt genug ist. Wir sind alle traurig, versprechen uns aber uns auf jeden Fall wieder zu sehen. Irgendwie in der Mitte. Alika schlägt Japan vor. Oh ja, da steigt Jasmin gleich drauf ein. Aber er hat uns gerne im Haus gehabt und es wird ihm schon fehlen, wenn es wieder so still ist. Also sofern man es als still bezeichnen kann, wenn man mit 3 anderen Menschen in einem Haus lebt. Er winkt nochmal und verlässt uns endgültig. Nur um 30 Sekunden später wieder rein zu kommen um seinen Laptop zu holen. Nein, keine Umarmungen mehr, das reicht. Wir wünschen ihm einen schönen Tag und sind ab nun wieder alleine im Haus.

Wir beginnen unsere Sachen zu packen und stellen bald fest, dass es eine sehr knappe Geschichte werden wird. Es gibt eine Kofferwaage im Haus, aber diese soll nicht so genau sein. Um 1-2 Kilo falsch. Das ist dann der Zeitpunkt wo Jasmin wieder unrund wird. Ich, der selbst ernannte Kofferschlichter beginne mal mit dem Koffer der Mädels. Alles passt rein, super. Dann kommt der Schuhkoffer. Alles passt rein, sehr gut. Anschließend kommt mein, bzw. der Allgemeinkoffer. Auch diesmal passt wieder alles irgendwie rein. Jasmin kriegt auch ihren Koffer irgendwie voll. Sie geht vor die Türe und findet unsere Wanderschuhe. Ah, Mist, also Schuhkoffer wieder auf und umpacken. Es wird gewogen, und umgepackt und gewogen um umgepackt. Irgendwie will alles nicht so recht. Auch die Analoge Standwage hat doch einen Pendelradius von knapp 1 kg. Plötzlich steht Hualani da und fragt ob wir Hilfe brauchen und ich frage sie ob sie eine Waage haben. Sie versteht nicht so recht, als ich ihr es aber zeige fragt sie Lohi. Diese gibt an dass Sharon eine neue Digitalwaage hätte. Ah, sehr gut! Jasmin empfiehlt mir die Koffer auf den Pick-Up zu legen, hinzufahren, abzuwiegen und gleich dort umzupacken. Ich rufe Sharon noch an, die aber nicht abhebt. Also fahre ich die paar Minuten hin. Ich denke mir noch, dass ich vorher Lohis Stimme gehört habe, aber es steht kein Auto vor der Türe. Sehr seltsam. Als ich bei Kananis Haus ankomme steht Hualani gerade vor der Türe mit einer Tüte in der Hand und grinst. Lohi sitzt im Auto. Sie wollten mir die Waage gerade bringen. Wie nett und hilfsbereit die hier doch sind. Ich packe alles ein und fahre zurück. Daheim angekommen werden die Koffer mit der neuen Digital Kofferwaage überprüft. 2x perfekt, 1x 1kg drüber und 1x 3kg drüber. Hups, der schwerste Koffer war doch von Jasmin. Wie geht das denn? Ich höre seit 5 Tagen, dass wir alle zu viel eingekauft haben. Naja, Hauptsache einen Reisefön von Österreich mitnehmen. Egal, wir packen alles um, sodass in allen Koffern das perfekte Gewicht ist, ein bisschen von hier nach da und ein bisschen von da nach dort. Kein Problem mehr. Jetzt noch das Handgepäck, also in unserem Fall die Rücksäcke zusammenräumen und wir können loslegen. 

Auch das ist sehr bald geschehen und um 17 Uhr sind wir startbereit um nochmal zu Kanani zu fahren und dort auf Chris zu warten. Er hat als einziger Zeit, um uns zum Flughafen zu bringen. Wir gehen vorher aber noch Essen. Dort angekommen, ist Kanani noch da. Er bittet uns rein: Make yourself at home, i gotta go to practice. Er verabschiedet sich auch noch einmal von uns und auch er ringt uns, vor allem den Mädels das Versprechen ab, dass wir uns unbedingt wieder sehen müssen. Alle heulen wieder drauf los und der alte Herr macht sich auf den Weg. Er ruft vorher aber noch Chris an, weil wir ja schon da sind. Kein Stress Grampa, wir haben alles ausgemacht. Wir wissen dass er um 17:30 kommt. Das stört ihn wenig, wir sind jetzt hier und er muss kommen, wird ihm am Telefon durchgesagt. Keine 10 Minuten später ist Chris auch schon da. Er befestigt eine Abdeckung auf der Ladefläche unseres Pick-Ups – also er befestigt 1 der 4 Bügel, die dafür vorgesehen sind. Die anderen 3 fehlen. Ich denke mir, das ist jetzt nicht sein Ernst, wenn das Ding runterfällt. Ach egal, er fährt schon lange so damit und es ist eh schwer genug. Das hält schon. Ich gebe die Schlüssel ab, ist ja nicht mein Auto, und ich baue hier nicht den Unfall. 

Er bringt uns unbeschadet zu einem weiteren Asia Restaurant Tanaka Saimin. Lohi und die Mädchen kommen etwas später zu uns. Wir bekommen noch Nachspeise/Frühstück mit auf den Flug. Juhu, jetzt sind WIR die Familie mit dem Essen. Sehr cool. Alle bestellten Gerichte sind ausgezeichnet und irgendwie wollen wir auch nicht weg von hier. Andererseits wird die Zeit gefühlt knapp und ich denke mir, dass wir bald fahren sollten. Lohi hat uns wieder eingeladen. Als sie reingekommen ist, hat sie ihre KK abgegeben. Das ist hier offenbar so üblich. Ein sehr mysteriöses Vorgehen. Würde in Europa keiner machen. Da haben alle viel zu viel Angst irgendwer könnte die Daten klauen oder irgendwelche Dinge kaufen. Hier, ach egaaaaal, wer bist du? Der Kellner, hier von Tisch 7, ich zahl heute. Was Tisch 8? Nein 7. Ja hier bin ich. Keine Ahnung. Dafür sind wir froh, dass sie unsere Reste mitnimmt. Auch hiervon können wieder mal 3 Leute essen. 

Nun wird es Ernst und wir müssen uns verabschieden. Zum letzten mal an diesem Abend sollen Tränen fließen, als die Mädels sich voneinander verabschieden. Wir bedanken uns nochmal für die Zeit und alles was wir hier geteilt bekommen haben. Alika, Lohi und ihre Töchter haben ihr Heim mit uns geteilt und es als selbstverständlich betrachtet. Sie betrachten uns als Ohana – Ohana wird hier gelebt. Wir sind alle sehr wehmütig und traurig. Chris bringt uns die letzten paar Meilen zum Flughafen. Wir sind in 10 Minuten vor Ort, laden die Koffer aus. Chris ist auch nicht so gut in Verabschiedungen. Aber auch er hofft, dass wir bald wiederkommen. So, nun sind wir da, alleine am Flughafen, wo wir vor 3 Wochen angekommen sind und müssen heimfliegen. Der erste Check ist der Pflanzencheck. Hier wird jeder Koffer geröntgt, um zu sehen, ob man irgendwelche Pflanzen oder Tiere aus Hawaii ausführen will. Keine große Aufregung. Im Terminal angekommen, starte ich gleich zu einer Waage und muss checken ob das Gewicht auch passt. Sie lässt sich nicht auf kg umstellen und so stehen 2x 50,5 Pounds auf der Waage. Mir wird kurz anders, weil ich nicht finden kann, wieviel Gewicht in Pounds die Koffer jetzt haben dürfen. Ich frage gleich eine Dame am Schalter. Sie gibt mir aber keine Antwort drauf sondern kommt mit zur Waage. Es steht 50,5 drauf und sie winkt ab. Das passt schon, so genau ist die Waage nicht. Ich höre ein lautes Krachen, das war Jasmins Stein, der ihr vom Herzen gefallen ist. Wir checken unsere Koffer ein und geben sie auch gleich ab. 

Jemand muss aufs Klo, cool wäre aber, wenn wir vorher den Sicherheitscheck hinter uns lassen können. Kein Thema, es dauert auch nicht lange. Diesmal kommen wir ohne rausgezogen zu werden durch und sind auch gleich fertig. Nur Jasmin muss mal wieder in Socken durch. Klo, Zähneputzen und ab zum Gate. Am Weg dahin werden wir mehrfach von Hawaiian Shops aufgehalten. Souvenirs und Dinge in die wir uns verliebt haben, sehen wir zu Hauf. Es ist der letzte Strohhalm  an den wir uns klammern. Wir wollen einfach nicht weg von hier. Keiner von uns. K1 hat schon wieder Wasser in den Augen. Das Gate haben wir bald erreicht und es stehen viele Leute hier. Das Boarding beginnt bald, sodass wir nicht allzu viel Zeit mit rumstehen verbringen. Wenn wir am Zielflughafen in San Francisco ankommen, wird es ein neuer Tag sein und wir haben unseren Urlaub hinter uns gebracht. Eine Zusammenfassung unseres letzten Tages auf Reisen bzw. des gesamten Urlaubs wird es morgen geben. Heute werden wir nur mehr schlafen und uns auf die Strapazen vorbereiten, die uns noch erwarten werden.

Gute Nacht und Mahalo

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