Ham&Eggs kennt und liebt ja fast jeder. Aber Spam&Eggs, welche mein geliebter geschmacksverwirrter Göttergatte heute als Frühstück genießt – nein danke, nicht mal kosten wollen K1, K2 und ich. Zu tief ist der Geruch nach Katzenfutter in unseren Nasen verankert. Gerhard schmatzt frisch fröhlich vor sich hin, anscheinend findet er es gut. Spoiler – es ist Abends als ich schreibe und er lebt noch, es dürfte also auch entgegen aller Vermutung nicht giftig sein. Dass er das gestern auch schon gegessen hat, verdränge ich gerade. Die Dosis macht bekanntlich das Gift.
Heute ist unser Plan die Westseite von Oahu zu erkunden. Konkret bedeutet dies, mal wieder alle Badesachen und Fressalien zusammenpacken (nein der Spam bleibt daheim!) und ab ins Auto.
Unsere Fahrt führt uns 50 Miles nach Westen – 1 h 15 min Fahrtzeit zu Yokohama Bay. Von hier soll ein schöner Wanderweg zu Ka‘ena Point State Park führen, dem westlichsten Punkt von Oahu. Man kann hier gleichzeitig den Nordteil und den Westteil der Insel sehen und befindet sich in einem Naturschutzgebiet wo Albatrosse brüten und manchmal hawaiianische Mönchsrobben sowie im Winter auch Wale zu sichten sind.
Unser Weg führt uns auch durch Wai‘anae, das einerseits auffällt, weil es irgendwie eine andere Stimmung hat als der Rest der Insel, alles wirkt ärmer und gedrückter. Dann wieder sind zusammengedrückt viele Fast-Food-Ketten und unglaublich viele Reifenhändler auf einem Fleck und es wirkt auch etwas wie ein Industriegebiet. Zumindest kommen wir bei einem sehr großen Stromversorger vorbei. Zur Meeresseite sind auch immer wieder in Gruppen Zelte und Verschläge angeordnet wo wirklich sehr sehr viele Obdachlose leben.
Wir haben schon an einem früheren Tag von Lohi gehört, dass die USA Obdachlose zusammenfängt und auf Hawai‘i ablädt, weil sie da zumindest nicht frieren müssen. Wir haben viele in Waikiki am Abend aber auch in Chinatown gesehen – alle eher in desolatem (Alkohol oder Drogen) Zustand. Hier, in Wai‘anae, scheint es sich aber um Familien zu handeln, die (lt. kurzer Recherche) sich einfach das Wohnen nicht leisten können, aber auch Arbeit nachgehen und Autos dort haben. K1 ist sehr betroffen darüber.
Nachdenklich und dankbar für unseren „Reichtum“ fahren wir zu unserer heutigen Destination Yokohama-Bay. Wir erreichen einen Parkplatz wo wir wieder mit großen Schildern auf die möglichen Einbrüche und Diebstähle hingewiesen werden und dass wir keine Wertsachen im Auto lassen sollen. Wir packen erst mal unseren Rucksack etwas um, lassen die Boogie Boards und die meisten Handtücher sowie das Essen im Auto, nehmen für die kurze Wanderung nur 2 Flaschen Wasser und für jeden ein Handtuch sowie Sonnencreme mit. Badesachen haben wir an.
Ca 4 km sind zu gehen vom Parkplatz Yokohama Bay bis zu Ka‘ena Point. Der eigentliche Plan ist es hier her zurück zu kehren und dann in Yokohama Bay zu baden. K1 und K2 finden den Strand aber irgendwie gar nicht einladend, ich finde eher abschreckend, dass es gar keinen Schatten gibt. Gerhard findet alles eigentlich ganz ok und will mal zum Aussichtspunkt wandern.
Die Wanderung zieht sich entlang einer schönen Küste rechts malerische bewachsene Berge und links das Meer mit sehr schwarzen Felsen. Wieder ein total anderer Anblick als bisher. Während wir so gehen, kommt mir plötzlich eine Idee. Gedacht, ausgesprochen, 2x Begeisterung, 1x hui was war das für ein Blick geerntet.
Ich hab mir überlegt, dass es eigentlich ganz nett wäre, wenn die Kinder und ich vom Aussichtspunkt weiter wandern würden (ca. nochmal so weit bis zum Mokule‘ia Rock Beach Parkplatz) um dann sicher einen schöneren Strand zu haben zum baden und Gerhard einfach den gleichen Weg zurück geht und uns dort dann wieder mit dem Auto entgegen kommt. Naja sagen wir mal so, als Gerhard mir auf der Landkarte zeigt, dass da halt einfach der Weg die Stunde zurück ist und dann per Auto nochmal 1,15 Stunden hoch an die North Shore, finde ich den Einfall selbst nicht mehr so toll 🙂 Es wird nicht besser, wenn ich dran denke, dass wir eigentlich sogar Zeitdruck haben, weil heute Sandy als Hula-Teacher zu uns kommt. Aber leider sind K1 und K2 voll „into it“. Aus der Nummer komm ich nimmer raus und Gerhard auch nicht. Wir wandern nach der Frage von Gerhard „Darf ich wenigstens noch mit zum Aussichtspunkt oder muss ich gleich umdrehen“ selbstverständlich gemeinsam zum geplanten Spot.
Kurz vor dem Spot müssen wir durch ein Tor, wo das Naturschutzgebiet beginnt. Wir sehen unzählige Bodennester von Albatrossen und werden auch sehr schnell fündig und finden Jungtiere in allen Altersstufen und auch Eier sowie brütende Mamas. Sehr nett alles. Das ganze eingebettet zwischen Sanddünen. 2 Ladies fragen uns, ob wir schon Babies gesehen haben und wir zeigen ihnen eine unserer Fundstellen. Sie sind schwer begeistert, weil sie noch gar nichts gefunden haben. Seltsam.
Am Aussichtspunkt ist es echt sehr beeindruckend, man sieht in den Westen und Norden der Insel, beide Seiten sehen total unterschiedlich aus. Uns allen gefällt es hier, auch wenn sich unsere Wege nun trennen. Tja nochmal merke ich, dass ich mit dieser Idee wohl nicht das Ei des Kolumbus gelegt habe, sondern eher mehr Probleme 🙂 Wir haben sage und schreibe noch ca 300 ml Wasser mit für uns 3. Und die Wanderung wird nochmal so lange. Jetzt heißt es haushalten mit dem kostbaren Tropfen.
Die Kinder schreckt das nicht ab, ich sage ihnen, dass wir gut Zeit haben, weil es völlig reicht wenn wir losgehen, wenn Gerhard mal den Standort des Autos erreicht hat. Sie hüpfen von Stein zu Stein, erkunden die Gezeitenbecken und finden unzählige Muscheln und an den Strand gespülte Korallen.
Als Gerhard mir per WhatsApp schreibt, dass ich offensichtlich mein Handy im Meer verloren habe (zumindestens sieht es so aus, wenn er mich trackt) machen wir uns auf den Weg. Die Kinder verkürzen sich den Weg mit einem Phantasiespiel und wir kommen bei wirklich schönen Plätzen vorbei. Der Weg ist abenteuerlich scheint aber befahren zu sein. Die Hoffnung steigt, dass Gerhard uns noch weiter entgegen fahren kann. Bei einem Platz wollen sie schauen, ob der zum Baden gut geeignet wäre, wenn dann Gerhard mit dem Auto käme, könnten wir ja vl hier hingehen… ich sage ihnen, sie sollen doch einfach mal schauen.
Keine Minute später höre ich ein Geräusch, dass sich anhört wie ein Blow-Hole, welches wir heute schon einmal gehört haben und die Kinder kommen auf mich zugerannt und rufen ganz aufgeregt irgendwas. Sie sagen, sie hätten eine Robbe gesehen, diesmal in echt. Ich folge ihnen auf einen Felsen oberhalb der Fundstelle und tatsächlich eine hawaiianische Mönchsrobbe liegt dort am Rücken und sonnt sich. Sie schaut verschlafen um sich, weil sie unsere Stimmen hört, aber macht dann wieder die Augen zu. Der Ruf kam aber aus dem Wasser, da sind sie die 2 Kaliber Robben. Sie schwimmen in unsere Richtung schauen aus dem Wasser auf ihr Jungtier. Nachdem sie sehen, dass wir keine Gefahr darstellen, weil wir weit genug weg gegangen sind, fangen sie an miteinander zu spielen und verschwinden in den Tiefen. Wir beobachten das entzückende kleine faule Robbchen noch ein bisschen und freuen uns doch sehr, dass wir ein Exemplar dieser vom aussterben bedrohten Art ohne Gitterstäbe vor uns sehen.
Jetzt ist natürlich wirklich gut Zeit vergangen und wir müssen uns tatsächlich noch beeilen um knapp 3 Minuten nach Gerhard am Parkplatz anzukommen.
Das Wichtigste zuerst – Robbenfilme. Dann das Zweitwichtigste – Essen und Trinken. Gerhard lacht mich an, nein er lacht mich aus. Ich hab mich zwar eigentlich gut eingecremt, hab aber einen Kragen wie eine Kette um den Hals – ein Sonnenbrand. Na super, jetzt bin ich ein Fleckerlteppich. Wanderungen im Wind und bei Wolken sind nicht zu unterschätzen.
Wir testen unsere Manapuas von gestern und die Kinder halten sich doch eher an das von mir Gekochte. Ein eher süßlicher Teig mit gewürztem Schwein gefüllt. Gerhard schmeckt das gebackene, mir das gedämpfte Manapua. Den Kindern keines. Bei den gefüllten Teigtaschen sind K1 und Gerhard an Board, K2 und ich – nein danke. Bei den Sesambällchen in riesengroß und superfettig sind dann wieder alle dabei. Das eine Manapua, das aus unerklärlichen Gründen mit Stangensellerie gefüllt ist, muss als Mungofutter herhalten. Wir hoffen, dass es denen schmeckt, unser Geschmack war es jedenfalls gar nicht. Mungos laufen hier rum wie bei uns Eichhörnchen.
Nach dem geglückten Essen werden noch die Muschelfunde bestaunt und reduziert. Der Rest wird an den Meeresgott zurück gegeben. Wir entscheiden uns mit dem Auto ein Stück weiter zu fahren zum Mokule‘ia Beach Park, das sieht zumindest auf Maps etwas einladender aus. Vor Ort angekommen erwartet uns ein fast leerer Parkplatz und ein noch leererer Sandstrand. Ein Fischer ist da, eine alte Dame wohnt anscheinend hier „Freiluft“ mit ihren Hühnern. Ansonsten sehen wir noch 2 Kite-Surfer und 3 andere Leute am Strand. Der Strand ist sicher 2 km lang. Wir finden einen schattigen Busch und werfen uns in die Fluten. Naja werfen eher nicht. Wir gehen ganz vorsichtig über Steine ca. 1,5 m weit und dann geht es plötzlich nach unten. Als ob eine Mauer aus wäre. Wie weit, sehen wir nicht. Gefühlt kann es alles zwischen 1,5 m und 50 cm sein … Gerhard wird vorgeschickt. Das Wasser geht ihm bis zum Bauch, dh. es ist ca 1 m 10 tief an dieser Stelle und wir folgen ihm. Es besteht alles hier aus einem vorgelagerten Riff mit Sand dazwischen. Gut dass wir unsere Badepatschen anhaben.
An ruhigen Tagen kann man hier sicherlich schnorcheln, an sehr windigen sicher sogar surfen. Heute ist weder das eine noch das andere. Gerhard und ich kühlen uns etwas ab und gehen dann wieder raus, K2 holt sich das Boogie Board und K1 und sie verbringen die nächsten Stunden an und im Wasser. Zum Glück hat sich die Hula-Stunde spontan auf Sonntag verschoben, darum haben wir doch keinen Stress mehr. K1 buddelt K2 im Sand ein bis nur mehr der Kopf raus sieht und sie bekommt dann noch einen Aufbau der wie ein Frauenkörper aussieht. Viele Fotos folgen, bis die Kinder auch zu uns in den Schatten kommen um zu entspannen – K1 (Handyzeit) und K2 (Geschichte hören). Ich les währenddessen das erste Mal im Urlaub ein paar Seiten in einem Buch am Strand und Gerhard pennt etwas. Was so jeder von uns halt als Entspannung sieht.
Wir schauen uns dann noch das Abendrot an, welches zum andauernden Ärgernis von Gerhard immer in irgendwelchen Wolken verschwindet, bevor es an die Südostseite der Insel nach Hause zurückgeht. Die Kids telefonieren bei der Heimfahrt noch eine ganze Zeitlang mit ihrem Papa – super, dass es die Zeitverschiebung gibt – und übermitteln ein ausführliches Urlaubsupdate inkl. Fotos.
Zuhause angekommen sind wir schon routiniert und eingespielt – Badesachen durchspülen und trocknen (diesmal inklusive einiger Muscheln, der Sonnencreme und einer Koralle – alles hat auch den Trockner überlebt). Abendessen richten, die Kids bekommen ihre ersehnte Fertig-Ramen-Suppe (wäh) und wir vernichten die Manapuas. Lustig ist, dass sie aufgewärmt genau anders rum gut schmecken. Jetzt mag ich das gebackene und Gerhard das gedämpfte. Und aufgewärmt sind sie jedenfalls besser, da sind wir uns einig. Den Staudensellerie vermisst niemand hier.
Fazit des Tages: einmal 8,3 km einmal 9 km Fußmarsch, tolle unerwartete Tierbegegnungen und einen ungewollten Sonnenbrand mehr. Auch die Westküste ist definitiv einen Tagesausflug wert, auch wenn es uns eher ans North Shore bzw, in den Südosten zieht.
Morgen geht es dann in ein weiteres Naturschutzgebiet zum Schnorcheln in Riffumgebung. Wir sind schon sehr gespannt.
Und wer es noch nicht bemerkt hat, Props an meine Frau, die heute ihren ersten Beitrag geschrieben hat!! Lasst ihr gern einen Kommentar da, sie freut sich sehr darüber. Nachdem sie sonst immer mit ausbessern und Rechtschreibprüfung meiner Beiträge zu tun hat, wurde sie heute dafür eingeteilt! Chapeau
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