Brüssel – Tag 2 – Ohne Öffis geht’s auch gut!


Wecker 4x abdrücken klappt immer im Urlaub. Raus aus den Federn und ab zum Frühstück. Auf Booking hieß es “ausgezeichnetes Frühstück” und ja, es wurde nicht zu viel versprochen! Wir waren beinahe die ersten, jedoch hatten wir einen guten Riecher weil wir ja irgendwann dann doch aufgestanden sind, denn 15 Minuten nach uns war es voll im Frühstücksraum. Das Highlight war ein, wie sich später rausstellte, älteres spanisches Pärchen wobei die Dame einfach zuerst eine FFP2 Maske und darüber eine normale hellblaue OP-Maske trug. Er hatte nur eine Maske auf, musste sich sozusagen vor etwas schützen. Der Schutz hörte aber dann am Teller auf denn hier schaufelte er sicherlich 5-8 von diesen Miniwürstchen, gebratenen Speck und Baked Beans auf, dass der Cholesterinspiegel nur so durch die Decke schnalzt.

Unser erster Tagesordnungspunkt war der Flohmarkt am Place du Jeu de Balle. 2km marschieren oder mit den Öffis? Natürlich per pedes, man lernt ja die Stadt sonst nicht richtig kennen! Die Straßen dorthin waren wie leergefegt und die Route änderte sich aufgrund meiner Begleitung, die hier was Tolles zum Fotografieren sah und dort ein cooles Haus bemerkte, ständig. Menschen wurden auch immer mehr und plötzlich standen wir vor dem Flohmarkt der bis zum letzten Rand mit Standlern gefüllt war. Das erste Teil was wir sahen war ein passendes Teller zum Japanischen Teeservice von meiner Oma. Wir dachten zuerst dies wäre ein Zufall, nachdem wir den Markt durchquert hatten fanden wir zwar keinen gleichen Teller oder ähnliches, wussten jedoch das japanische Teeservice ähnlicher Machart hier in Hülle und Fülle angeboten wurden. Leider wurde zumindest Brüssel noch nicht vom Lilienporzellanfieber angesteckt, sodass wir diese Teller hier im Gedränge nicht fanden. Vasen im Asiatischen Stil, afrikanische Masken, Bücher, DVDs, Schmuck und Ramsch, wie auf jedem gut sortieren Flohmarkt gibts aber auch hier. Bei einer 3-äugigen, 2-mündigen afrikanischen Maske blieben wir kurz stehen. Der Verkäufer kam an sagte was auf Französisch und Jasmin antwortete mit den 3 Sprachfetzen die sie noch aus der Schulzeit kannte. Dies führte (wie schon ein paar Mal zuvor in diesem beiden Tagen) dazu, dass er sich mit ihr zu unterhalten versuchte. Auf FRANZÖSISCH natürlich, sie hatte ja geantwortet!! Dafür reichte das Vokabular allerdings nicht und wir mussten abblocken und auf Englisch switchen. Es stellte sich heraus, dass es eine Maske der Freude ist und Lega heißt und die Menschen damit tanzen und sich freuen. Er legte einen Preis von 50€ fest und sagte aber, dass es im Kongo üblich sei zu verhandeln. Also haut Jasmin 25€ raus. Er wieder auf 40, wir 30, er ok ok 35 und holt schon ein Sackerl. Jetzt haben wir also eine tolle afrikanische Maske um 35€ im Rucksack die einen Geruch von gebratenen Speck versprüht. Er wollte noch von uns gute Geschäfte gewünscht bekommen, denn wir waren seine ersten Kunden des Tages. Ja natürlich wünscht man dem armen schwarzen Mann viel Erfolg. Ich wollte dann noch einen Aufnäher für meinen Rucksack und der Verkäufer schlug für beide 10€ an. Wir besprachen uns natürlich auf Deutsch und fragten auf Englisch nach. Er sagte dann schon 8€ und nun begriff er plötzlich und sagte „ahhh deutsch. Ja dann machen wir einen guten Preis für euch. 5€“ 50% Rabatt, natürlich gekauft!

Wir verlassen den Flohmarkt und machen uns auf zu dem “Was ist denn da oben für ein schönes Gebäude”. Am Weg dorthin findet meine Frau noch Ohrringe mit Mondstein die zu ihrer Kette passen. Werden auch noch mitgenommen! Um die Ecke stehen wir vor dem Justizpalast, welcher beeindruckend riesig ist, und einem Riesenrad. Na klar müssen wir Riesenrad fahren, da sieht man so viel von der Stadt. 20€ und 3 Runden später ist es das auch schon wieder gewesen, aber der Ausblick war es wirklich wert. Man hat uneingeschränkt in alle Himmelsrichtungen gesehen und erfasst die Größe dieser Stadt vollends. Jasmin ist in die nächste Großstadt verliebt und macht in ihrem Kopf schon Umzugspläne fertig.

Next Stop: Wochenmarkt am Place Flagey, zum anscheinend größten Wochenmarkt mit “Street Food” 2km entfernt. Ja komm, jetzt ist auch schon egal. Man sieht sonst nix von der Stadt und wir haben uns heute noch gar nicht bewegt! Wir schlendern an Boss, Michael Kors, Versace und was weiß ich noch für Läden vorbei, in denen die Mode weit über dem Monatslohn eines Normalsterblichen wie unsereins ist, kostet. Ein paar Gassen hier, ein paar Straßen dort abgebogen und da ist das Ziel. Der Wochenmarkt ist nicht sooo riesig, aber doch wesentlich größer als erwartet. Bei den meisten Streetfoodbuden stehen die Leute Schlange also wir erstmal den Markt durchgegangen um zu gustieren und schauen was es denn hier so tolles gibt. Obst, Gemüse, eh klar, Fisch und frisches Fleisch, Honig, Backwaren, und das wichtigste Blumen. Von Kakteen über Kräuter bis zu Schnittblumen und Blumensträuße zu wirklich fairen Preisen. Der Tag ist schon fortgeschritten und der Hunger auch. Ein Stand mit „Gilice” lacht uns an. (Für die ungebildeten unter uns: das sind panierte Sprotten die man komplett mit Haut und Haar essen kann) Daneben gebackener Käse. Bestellt Jasmin wieder auf Französisch. Der wieder retourniert auf Französisch. Wir wieder nein das war die ganze Französische Kunst die die Dame beherrscht. Also englisch. Es sollte noch zum Running Gag avancieren denn so wird es uns bis zur Abreise gehen.  

Die 2 Kerle hinter dem Thresen waren leicht überfordert mit 3 Bestellungen. Egal, wir setzen uns mit unserem Getränk hin und warten. Käse kommt zuerst, wird sofort verzehrt, weil Hunger mittlerweile sehr groß. Fisch dauert noch 2 Minuten. Als er dann kommt und wir die Hälfte verspachtelt haben, bleibe ich mit der Hand in der komischen Dose hängen und verteile einfach die Hälfte vom restlichen Essen auf dem Boden. Die 3 Sekunden Regel können wir leider nicht anwenden, weil es so viele Einzelteile sind, also ärgere ich mich und wir essen den Rest auf. Apfelkuchen und etwas undefiniertes nussiges (wie eine Frühlingsrolle gefüllt mit Erdnüssen und eher Balkan Baklava Art) als Nachspeise. Café dazu und ab auf den “Heimweg”. All in All haben wir sehr gut gespeist und könnten den ganzen Tag dort mit Essen verbringen!

Durch das normale Viertel mit C&A, Zara, Footlocker und McD geht es zurück Richtung Hotel. Natürlich zu Fuß, es lohnt ja quasi nicht mehr ein Ticket für die U-Bahn zu kaufen. Unterwegs führt eine Passage in ein Gebäude, das aus einem Horrorfilm stammen hätte können. Die Läden kaputt, die Glasfronten zerschlagen und jede Menge Graffitis an dem Wänden. Uh ja das schaut cool aus. Jasmin rein, weil Foto. Ich nach. Nach 3 Meter wieder umgedreht, weil es gerochen hat, als hätte grade vor uns einer hingepinkelt. Sie weiter rein, zieht ihren Schal über die Nase. Ich rückwärts raus, weil wirklich nicht mehr viel gefehlt hat und ich hätte das schöne Essen dort wieder retourniert.

Nun war nur noch der Königspalast und der Brüssel Park am Programm. Was uns im Park auffiel waren die extrem vielen Pfadfinder Kinder. Verschiedenste Schalfarben ließen darauf schließen, dass es unterschiedliche Fähnlein Fieselschweifs waren und diese hier wohl eine Art Treffen oder sowas hatten. Wir bemerkten sie schon am Flohmarkt, beachteten sie aber nicht weiter.

Endlich alles angeschaut befinden wir uns am Weg zur Unterkunft und liefen mal wieder ein eine Demo. Passiert uns auch ständig. Wofür oder wogegen die Leute demonstrierten kann ich nicht mehr sagen, aber es ging alles friedlich von Statten. Den Weg in der Innenstadt finden wir nun schon fast ohne Navi und das Hotel auch. Es sollte noch 1 Tag dauern bis wir den kompletten Durchblick in der Brüssler Innenstadt haben, aber es ist wirklich nicht so schwer sich hier zurecht zu finden. Wir sind müde denn schließlich sind wir ja fast nur mit der U-Bahn gefahren (NICHT) und rasten mal aus, suchen ein Restaurant zum Abendessen und planen die nächsten Tage voraus.

Kabuki heißt das Lokal und es ist ein Wahnsinn. Es gibt mehrere Möglichkeiten hier zu speisen.

  • Normal a la carte
  • „All You Can Eat“ Buffet
  • Teppanyaki direkt am Tisch (also der Koch steht am Tisch wie im Film und grillt vor dir dein Essen) – oh!! Wollen lieber loh?? Fragt der ganz sicher nicht wenn man den eigenen Goldfisch mitbringt
  • Running Sushi – wobei Running eher Driving heißt und durch eine Spielzeugeisenbahn das Sushi vorbeigefahren wird. Wir haben uns für letzteres entschieden und sitzen nun nebeneinander vor den Gleisen und warten auf das Essen. Die Plätze werden durch verstellbare Plexiglaswände abgetrennt und dadurch fühlt man sich so wie an einem eigenen Tisch und man stört sich nicht durch den Sitznachbarn.

Es war wirklich ein ausgezeichnetes Sushi und auch alles andere was mit dem Zug transportiert wurde hat prima geschmeckt. Das Lokal ist noch dazu riesig (geschätzt 180-200 Personen gehen hier LOCKER rein). Am besten hat mir der 30er Teppanyaki Tisch mit eigenen Bademänteln gefallen (Jasmin meinte es wäre wohl ein Spritzschutz für die Gäste, wenn der Koch vor einem rumfuchtelt). Das einzig negative war die doch seeeeeehr magere Auswahl und Menge an Nachspeisen. Die wurde auch noch sehr schnell vom Band geraubt von den vor uns sitzenden Eisenbahnräubern. Wir sind wirklich lange dort gesessen und haben darauf gewartet ob und wenn ja was nachkommt, aber das war leider eine Enttäuschung auf höchstem Niveau. Man bezahlt dann an einem Automaten wo man das Geld reinsteckt wie bei den Standard Getränkeautomaten. Retourgeld fällt natürlich unten raus. Total futuristisch irgendwie, aber so kann man es eben auch lösen.

Jasmin ist leider noch nicht 100% fit, weshalb unser Tag jetzt zur Neige geht. Den Superbowl verpassen wir glatt, aber auch das macht nichts, denn wir haben morgen ein besseres Programm! Was auffällt sind die in der Innenstadt an fast jeder Ecke liegenden Bettler, der wirklich häufig vorkommende Uringeruch, die vielen Läden die auch sonntags und bis spät in die Nacht offen haben und die andauernd fahrende Polizei.

Brüssel schläft nicht, kommt es uns am 2ten Tag vor und es gefällt bisher alles was wir gesehen haben!

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