Polen – Tag 2 – Grausame Geschichte rund um Krakau

Unser Tag beginnt sehr früh, denn wir haben über 1 Stunde zu fahren. Heute steht Auschwitz-Birkenau am Programm. Jasmin und ich stellen uns auf das Schlimmste ein und versuchen die Kinder irgendwie darauf vorzubereiten. Auslassen wollen wir dieses Mahnmal dennoch keinesfalls, Bewusstsein ist uns wichtig. Wir kommen sehr sehr pünktlich an (knapp), müssen einen Parkplatz bezahlen, werden aber sehr freundlich von sämtlichen Mitarbeitern weitergeleitet. Einmal durch die Flughafenschleuse und wir sind fast drin. Eine ältere Frau mit weißen Haaren und lila Pulli erwartet uns mit einem „Deutsch“ Schild. Wir kriegen Kopfhörer, sie hat ein Mikro. Sehr vorteilhaft.

Die Tour wird 3 1/2 Stunden dauern und wir werden das KZ Auschwitz sehen und uns anschließend zum Lager Birkenau begeben. Dieser Vormittag ist den grauenhaften Verbrechen des Dritten Reiches gewidmet und mir kommt kein einziger blöder Scherz von den Lippen. Grundsätzlich bekommen wir beinahe keine neuen Informationen, aber sich auf diesem Boden zu bewegen ist alleine schon schrecklich genug. Einige Barraken sind schon umgebaut zu einem Museum, einige sind gerade fertig geworden und wir können diese auch schon besichtigen. Bei vielen wird noch gearbeitet. Wir sehen und hören all die bösen Dinge, die hier geschehen sind. Von Bildern des Grauens, über Schlagstöcke mit denen die Gefangenen geprügelt wurden, Schuhe (auch von Kleinkindern), Koffer, ein Raum der voller Haare war (welche dann zu Seilen oder Matratzen verarbeitet wurden) bis zur Gefängnisbaracke haben wir wirklich alles gesehen. Ein ungefähr 1,2×1,2 Meter großer Raum in dem 4 Menschen gehalten wurden (eine sogenannte Stehzelle) oder eine Dunkelzelle mit einem 10x10cm großen Luftloch nach draußen für ungefähr 40 Personen (max. Raumgröße 4×4 Meter) waren das Schlimmste das man hier zu Gesicht bekommen hat.

Am Ende des Rundganges durchquert man noch einen Nachbau eines Krematoriums inkl. Vergasungsraum. Wir kehren an den Eingang zurück und warten auf den Bus nach Birkenau. Die Fahrt dauert ca. 10 Minuten, der Bus ist allerdings gedroschen voll, sodass man auch gar nicht mehr umfallen kann. Vor Ort angekommen ist die Stimmung beinahe noch bedrückender (sofern das überhaupt möglich ist). Wir sehen die Rampe an der die deportierten Menschen angekommen sind, sowie die Baracken für die Frauen und Männer. 80% der Menschen die dort angekommen sind, haben sich weniger lang dort aufgehalten, als wir den heutigen Tag. Sie wurden sofort in die Gaskammern gebracht und getötet. Von unserer Familie wäre einfach nur ich übrig geblieben, nach damaligem Maßstab (Kinder bis 13 und Mütter von Kindern wurden gleich vergast). Einfach schrecklich. Wir gehen mit unserem deutschen Guide die Gleise entlang bis zum zerstörten Krematorium. Alle 4 Gebäude wurden in irgendeiner Art zerstört, man sieht somit nur mehr die Überreste.

Unser negativ Highlight war jedoch eine Baracke in der ca. 800-1000 Menschen untergebracht waren. Ein 3-stöckiges „Bett“ mit ca. 2,5 x 2,5 Meter für 5 Personen. Was war hier der beste Platz?, stellt sich als Frage in den Raum. Der Oberste, mit undichten Dach, der Mittlere, wo es zwar nicht runterregnet aber dafür die Fäkalien der Menschen wegen dauernden Durchfällen von oben runtertropfen, oder der Unterste, mit ebenfalls den gleichen Bedingungen wie das mittlere nur das man auf allen 4ren reinkriechen muss und vom Boden die Kälte kommt?

Es ist einfach traurig zu sehen, was Menschen hier angetan wurde und zu welch grausamen Handlungen Menschen fähig waren. Am Heimweg versuchen wir das zu verarbeiten. Es wird alles noch nachwirken. Diese Dinge auch wirklich gesehen zu haben, ist doch noch etwas anderes als nur darüber zu hören.

Back in Krakau hauen wir uns wieder in die Straßenbahn und begeben uns zum nächsten Programmpunkt, damit die Kids gut loslassen können: Katzencafe – kurz zusammengefasst, Konzept ist klar, den Katzen gehts quasi am behaarten A… vorbei wieviele Menschen sich in ihrem Revier befinden. Die Leute werden geduldet, aber mehr auch nicht. Verzweifelte Streichelversuche der Mädels werden weitestgehend von den 4pfotigen Samttigern ignoriert. K2 ist enttäuscht hat schlussendlich aber ein paar Katzen mit dem Handy abgelichtet und wir machen uns auf den Weg zum Abendessen. Die Getränkekarte ist ebenfalls nur auf polnisch. Wir übersetzen wieder jedes Wort einzeln, bis zu dem Zeitpunkt als K1 ihr Handy zückt und ein Foto macht. Ich frage was das jetzt wieder soll. Sie antwortet nur, dass das IPhone das eh übersetzen kann. Ich frage ganz verdattert, warum sie das gestern nicht schon gezeigt hat und uns damit geholfen hätte. „Ich dachte wir tun das eh so“. Ja klar, danke K1 – wir gestern in der Milch-Bar die jedes Wort ins Handy getippt haben und dann 3x Fensterrahmen ausgespuckt wurde, weil man 2 Buchstaben vergessen hat. DANKE!

Wir schlendern durch einen Park und hin zum Hauptplatz. Dem Rynek Główny. Die Einkaufsstraße ist gesäumt mit Mitbringseln und allen möglichen und unmöglichen Geschäften. Eine Menschenmenge schiebt sich durch die Gassen, das ist nicht mehr feierlich. Aber gefallen tuts uns ja schon irgendwie. Jasmin lotst uns, wir denken zur Marienkirche, aber sie biegt zum Hard Rock Café ab. Yeah Baby, ein typisches City Tee und einen kleinen Gitarrenpin später stehen wir in der Kirche und hören das Gejohle des Pfarrers und der Orgel. Eine Abendmette wird abgehalten. Natürlich können wir nicht einwenden, dass wir es nicht verstehen, interessiert hier wohl keinen dass die Österreicher hier sind und das ganze auch auf Deutsch hören wollen.

Also wieder raus und quer über den Platz. Unsere Jausenstation lautet: Filthy Burger. Laut TripAdvisor ein spitzen Lokal für Smashed Burger. Vorher allerdings werden wir von einer BreakDance Gruppe aufgehalten, die Ihre Show abzieht. Sehr stark was die abliefern. Das mit dem Essen können wir genau so bestätigen. Preislich auch gleich wie gestern, aber mitnehmen können wir leider nichts. Ach ja, unsere letzten Pierogi von gestern haben wir natürlich alle aufgemampft, als wir von unserem Ausflug zurückgekommen sind. Waren auch kalt noch immer lecker.

Nach dem Essen schlendern wir zurück und entdecken die Tuchhalle mit ihren Dutzenden kleinen Läden. Morgen schauen wir uns den Town Hall Tower an. Ein hoher Turm mitten am Hauptplatz, was kann es schon Verlockenderes geben. Wir wollen uns noch ein Eis kaufen, lassen es aber aufgrund der Preise von 3€ pro Kugel sein. Es wird sicherlich noch eine günstigere Alternative geben, die sich nicht am Hauptplatz befindet. Dafür gibt es 2x BubbleTea um einen mehr als fairen Preis.

Unsere Straßenbahn braucht noch etwas und wir warten auf einer Bank. Das mit der Straßenbahn ist hier sowieso etwas seltsam. Diese bleibt nicht direkt an der Haltestelle stehen sondern eine ganze Autobreite von dieser entfernt. Das führt teilweise dazu, dass auch die Autos auf diesem Streifen fahren und man unheimlich aufpassen muss, nicht überfahren zu werden. K2 wäre prädestiniert dafür einfach rauszulaufen, aber wir schaffen es grade noch so, alle 4 wieder heil daheim anzukommen. Unglaublich aber wahr.

Morgen ist der letzte volle Tag in Krakau und am Plan steht das Salzbergwerk Wieliczka, der Turm, wieder ein Frühstück in einer Milch-Bar und eine ausgereifte Bummeltour in der Innenstadt. Eventuell wollen wir am Abend auch noch eine kleine Bootstour auf der Weichsel machen, aber das wird eher spontan und hängt ganz vom Wetter ab. Es soll nicht so schön werden, also sind wir mit einem Indoortermin ganz gut beraten.

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