Polen – Tag 3 – Regen – Altstadt – Salzbergwerk und wieder retour

Der heutige Tag ist vollgepackt. Wie immer stehen wir um 7 Uhr irgendwas auf. Übrigens: unser AirBnB Appartement ist super gelegen. Wir wohnen direkt neben einer Straßenbahnstation und sind super angebunden. Hat Jasmin super ausgesucht. Die Wohnung selbst hat 2 Zimmer und wir haben es uns auf der Couch gemütlich gemacht. Die ist tatsächlich bequemer als das Bett. Die Mädels finden es auch so (eher weil ein TV dabei ist), aber wir haben sie ins Schlafzimmer verbannt.

Ich besorge eine 24-Stunden-Karte für uns heute für die Straßenbahn, denn es geht mehrmals hin und her und so brauchen wir uns keine Sorgen machen, wann wir wohin fahren. Frühstück gibt es heute bei der Milch-Bar Tomasza in der Innenstadt. Wir bekommen direkt wieder einen Platz (bisher hatten wir immer Glück) und bestellen. 1x pochierte Eier, 1x spanisches Omelette (mit Kartoffel, Zwiebel, Käse) und 2x Pancake (in dem Fall aber dann doch Palatschinken). Wir stellen fest, dass, je weiter man ins Zentrum geht, desto mehr „Hip“ wird das Ganze. Die Preise sind ok, aber im Gegensatz zur ersten Milch-Bar weit abgeschlagen. Es ist alles auf den optischen Eindruck aufgebaut. Hier eine schöne Werbetafel, dort ein perfekt arrangierter Tisch. Die Kellner sprechen fließend Englisch und das Essen lässt nicht lange auf sich warten. Geschmacklich nichts desto trotz einwandfrei! Also wer auf so „neumodernen“ Kram steht, ist hier auch gut aufgehoben.

K1 hat gestern einen Sephora gesehen. Da muss sie UNBEDINGT rein. Für die, die es nicht kennen. Ein komplett GLEICHER Douglas, oder Marionnaud. Das positive an dem Geschäft ist, dass wir den plötzlich eintretenden Regenguss abgesessen haben. Wir haben zwar alle unsere Schirme mit, aber bei diesem Platsch ist Hopfen und Malz verloren. Also abwarten, Tee trinken – bzw. Parfum sprühen und das Wetter beobachten. Als der Regen nachgelassen hat, schlendern wir zum Hauptplatz und schauen uns in der Tuchhalle die Waren an. Unterm Strich ist es überall das gleiche, so wie eigentlich überall auf der Welt. Es gibt ein paar Designs und ein paar Hersteller und es wird von allen alles verkauft. Jeder 4 Stand hat Bernsteinschmuck, Lederwaren, Plüschtiere oder Mitbringsel sämtlicher Art. Ich bin zwar nicht auf der Suche, aber finde einen quasi Doppelpack aus Brieftaschen. Eine mit Kartenhalter und eine extrem flache. Beide gefallen mir sehr gut, und kosten zusammen 260 Zloty. Für 2 Echtleder Dinger ganz ok. Jasmin drängt mich zwar zum Testen, also das ganze Geld umstecken, aber das ist mir dann doch zuviel. Es wird schon passen. (Spoiler – wird es nicht!) Unsere Damen kaufen sich von ihrem Taschengeld jeweils 1 Quetschi-Dumpling. Sinnbefreit wie eh und je, aber mei. Warum nicht sinnloses Spielzeug aus Polen.

Next Attraction: Rathausturm. Wir also die superhohen (35-40 cm) Stufen nach oben. 2 Personen können sowieso nicht nebeneinander gehen, also muss man schon vorausschauend „gehen“ um nicht wieder runterlatschen zu müssen. Es sind quasi 3 Stockwerke, die man betreten kann. Ganz in den Glockenturm nach oben kommt man leider nicht. Wir sind dann wieder in den 2ten Stock gegangen und haben dort die Aussicht genossen. K2 hat ihre YouTube/Insta Karriere angekurbelt, indem sie ein „Unboxing Video“ ihres Dumplings aufgenommen hat. Sollte ich irgendwann doch die Freigabe bekommen, lade ich euch einen Link oder direkt das Video hoch. Zum Schiessen sag ich nur. Um 12 Uhr dann das musikalische Highlight: Im gegenüberliegenden Turm der Marienkirche beginnt eine Trompete zu spielen. Der „Hejnał Mariacki“ wird zu jeder vollen Stunde zu Ehren des Torwächters gespielt der Krakau 1241 vor den Mongolen gewarnt hat. Das Spannende daran? Es hört mitten im Lied einfach auf – Warum? Nun ja, der Torwächter wurde von einem Pfeil getroffen. Wem fällt denn sowas ein? Das ist ja wirklich SEHR schräg! Aber jetzt kennt auch ihr dieses tolle Geheimnis.

Da es schon wieder Mittag ist, werden wir leicht hungrig, müssen uns aber gleichzeitig auch auf den Weg machen, denn um 14 Uhr haben wir unsere Tour im Salzbergwerk Wieliczka gebucht. Und wir müssen noch nach Hause, also zum Auto und dann 30 Minuten hinfahren. Also schnell eine Jause mitnehmen und los. Achso: K2 „MUSS“ vorher noch in einen Süssigkeitenladen und sich 200g Gummizeug holen. Fragt nicht was das kostet, es ist schließlich nicht unser Geld und auch nicht unser Insulinspiegel. Wir sind froh, als es endlich weitergeht.

Der Weg nach dorthin ist aufgrund des Verkehrsaufkommens so lange. Ein paar Baustellen hier, ein paar Idioten dort, und schon wäre der Weg um 15 Minuten schneller. Aber wer will das schon. Wir kommen wie immer in diesem Urlaub SUPERKNAPP um 13:55 in die Warteschlange. Gott sei Dank steht am Ticket 14.15 – Warum eigentlich? Warum sind wir „so früh“ hier? Also ich habe 14:00 eingetragen – Nein Mann, ich hab gar nix eingetragen – Ich schaue mir die Tickets an, auf denen steht dass wir 15 Minuten vorher da sein sollen. AHHH, JA – deshalb hat Jasmin 14 Uhr eingetragen – das war doch sie. Gut zu wissen, dass ich einmal nicht der Schuldige bin.

Wir haben wieder eine nette ältere deutschsprechende Dame, die uns unter Tage durch die Tunnel führt. Dieser schlesische Dialekt ist einfach eine Wucht. Man glaubt man spricht mit seiner polnischen Großmutter, obwohl man eigentlich weiß, dass man gar keine hat. Aber wenn man eine hätte, würde sie „genau so“ deutsch sprechen. Wir steigen erstmal 40 Stockwerke nach unten auf ca. 90m. Die Touristenroute deckt ca. 2% dieses Bergwerks ab. Wir müssen ganz eng zusammenbleiben und dürfen ja nicht aus der Reihe tanzen. Auch hier gibt es wieder ein Mikrofon und Kopfhörer, sodass wir alle etwas von dem wundervoll gesprochenen Wort haben. Insgesamt sollen wir 3km hauptsächlich nach unten spazieren. Hunderte Treppen steigen und viele eindrucksvolle Räume sehen. Die Wände sind aus grauen Salz und sind auf sehr vielen Stellen schon total glatt geschleckt. Oma lädt zum Testen ein, beteuert jedoch dass es pro Tourist nur erlaubt ist maximal einen halben Kilo Salz zu essen. Wenn es mehr ist, dann ist das Bergwerk bald erschöpft denn vor 2 Wochen war in diesem Jahr der Millionste Tourist pro Jahr hier. Es wird also eine gute Saison und es kommen immer mehr Menschen hierher, um sich das anzusehen.

Grundsätzlich hätten wir auch die Bergmanntour buchen können, aber gegen körperliche Arbeit hatte Jasmin dann doch etwas einzuwenden. Und das mit den Mädels durchzuziehen, wäre wohl eher nicht gegangen. Egal, es ist auch so beeindruckend. Vor allem die Kapelle, in welcher nach wie vor jeden Sonntag Messen abgehalten werden. Völlig kostenlos. Wir (also ich) ärgern uns schon wieder, warum wir Geld bezahlt haben, obwohl wir doch einfach zur polnischen Messe hätten gehen können. Naja, also für euch da draußen, meldet euch zur Messe im Bergwerk und ihr kommt gratis rein. Als der ganze Rundgang beendet ist, dauert es locker nochmal 15 Minuten bis wir wieder an der Oberfläche sind. Wir kommen an einem total anderen Punkt raus, als wir abgestiegen sind. Von einer Beschilderung wohin man muss, fehlt jede Spur. Ich vermute eine Richtung und wir gehen mal los. Puh, Gott sei Dank die Richtige, sonst würde die Meuterei auf der Bounty wieder ausbrechen.

Wir sitzen im Auto und ich lege den Retourgang ein. Ich sehe in den Seitenspiegeln nichts, ausser ein Auto schräg links von mir. Ich fahre vorsichtig nach hinten, leicht nach rechts eingeschlagene weil der Kollege neben mir recht knapp parkt. Es fängt an zu piepsen, ich denke mir, dass ich doch schon noch recht weit von dem Auto links weg bin und rolle langsam zurück. Der Piepton wird schneller ich schaue rechts in den Spiegel, sehe nichts, schaue links in den Spiegel sehe das Auto. Der Piepton ist durchgehend und als ich mir denke wtf, machts auch schon KLONK und ich schaue in den Rückspiegel als der Alupfosten hinten so zu wackeln beginnt, wie auf einer Raveparty. Mist verdammter, aber aussteigen will ich jetzt auch nicht. Der Spott IM Auto reicht mir vollkommen aus, da muss ich mir nicht noch den von den Personen außerhalb des Autos geben. Wir schleichen uns zur nächsten Tankstelle, das Fahrzeug will schließlich auch mal getankt werden und ich begutachte den Schaden. Man sieht zwar etwas, aber nur wenn man genau hinschaut. So eine unlackierte Ford Plastikstossstange ist schon was ganz anderes. HA, nimm dies du blöder Pfosten – mir kannst du NICHTS anhaben.

Zurück Zuhause legen wir uns ganz kurz hin und planen unser Essen. Wir wollen auch noch an die Deichsel eine Bootsfahrt machen. Ich räume nun endlich meine Brieftasche komplett um und sehe, dass der Stoff beim Münzfach eingerissen ist. Das ist wirklich ärgerlich, weil nähen kann man das nicht mehr, sagt meine Expertenfrau. Also nehmen wir beide Brieftaschen wieder mit, Rechnung habe ich ja schlauerweise schon entsorgt und ich hoffe dass die Dame am Markt eine andere hat, die sie mir austauschen kann. Ich schaue gerade aus dem Fenster, als der morgendliche Platschregen wieder einsetzt. Einfach Traumhaft. Wir müssen trotzdem was essen, also kurz abwarten, der Regen wird zum Nieseln also raus aus dem Zimmer und zum heutigen Essen – Es soll das Mirror Bistro – Pierogi Bystro werden. Ganz in der Nähe der letzten Adresse vorgestern. Wir also wieder mit der Straßenbahn hin (Gott sei Dank haben wir ein 24 Stunden Ticket) und gehen die letzten Meter zu Fuß. An der Destination angekommen, fragen wir mal nach, ob es einen Tisch für 4 Personen gibt (wir sehen zumindest 2 freie Tische mit reserved 20:00). Es ist 19 Uhr und die Kellnerin erklärt uns, dass diese reserviert sind und das jetzt nicht geht dass wir da sitzen können, weil immerhin kann es ja auch sein, dass die früher kommen. Wir können draußen sitzen. Im REGEN. In der Kälte. Mit 2 klappernden Kindern. Ja, ne is klaaaaaar. Nö danke, das ist uns zu unflexibel. Das erste Erlebnis solcher Art. Leider können wir somit nichts zu diesem Lokal sagen. Also bleibt doch wieder Mr. Vincent. Ist gleich um die Ecke und er sagt uns zu dass wir in 10-15 Minuten einen Tisch haben können. Perfekt. Lösungsorientiert, gefällt uns.

Wir bestellen diesmal anders. Jeder bestellt sich einen Teller, mit dem was er haben möchte und danach holen wir uns eine Nachspeise mit einem Mix-Teller der 3 Sorten die es hier gibt. Da muss ich ganz ehrlich sagen, ja sind gut, aber das passt einfach nicht in den Teig rein. Wieder ist es zuviel und der Snack für morgen gesichert.

Am Weg zur Straßenbahn fährt uns unsere Nummer direkt vor der Nase weg. Also beschließen wir zu gehen da wir nicht 20 Minuten warten wollen. Der Frau und den Kindern ist kalt. Wir legen einen Schritt zu und kommen um 20:55 am Hauptplatz an, wo ich meine Brieftasche retournieren kann (schließt um 21:00). Sie kann sich noch erinnern, da ich ja einen kleinen Discount bekommen habe. Sie hat dieses Modell leider nicht mehr und gibt mir ohne Umschweife das Geld zurück. Sehr freundlich, aber es geht halt auch nicht reparieren. Nächstes mal auf meine Frau hören und vor Ort das komplette Geld und Bankomatkarten umräumen. Wieder durch die Fußgängerzone und zurück zur Straßenbahn. Wartezeit 8 Minuten, ach was – wir gehen wieder zur nächsten Station. Warum auch nicht. Dort angekommen ist die Wartezeit nur mehr 3 Minuten. K1 überbrückt diese Zeit indem sie ihr Telefon bei einem gratis Ladegerät ansteckt – WIESO um alles in der WELT hat sie ihr Ladekabel dabei? Egal, ich werde noch um eine Auskunft gebeten, wo denn Station XY sei. Seh wohl offenbar so aus, als wäre ich hier einheimisch. Ja passiert mir ständig. NICHT

Zuhause angekommen fallen wir alle ins Bett und freuen uns schon auf Morgen. Es geht Richtung Warschau, wo wir sicher auch einige tolle Dinge erleben werden.

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