Polen – Tag 4 – Wer hat das gebucht?

Ein letzter entspannter Morgen in Krakau beginnt im „Blossom“ mit einem leckeren Frühstück. Um 11 Uhr müssen wir aus dem Apartment draußen sein. Wir haben mehr als genug Zeit. Essen, duschen, packen, alles geht sich aus und wir düsen los. Fahrtzeit 3 Stunden lt. Jasmins Navi. Mein Autonavi schlägt fast 4 1/2 Stunden vor. Der Grund dafür: Es gibt hier 1-2-3 Strassen, die mein total aktuelles Navi (2023) nicht gespeichert hat. Daraus ergibt sich, dass wir öfter durch die Pampa fahren. Um es mit einem Gedicht abzuschliessen:

Es ist nicht einfach und irgendwie eine Glaubensfrage

Das Navi sagt: hier ist keine Straße, die Augen sagen doch!

Aber wem soll ich nun vertrauen?

Ich hadere noch!

Jasmin K., 2026, irgendwo zw. Krakau und Warschau

Die Zeit rattert runter und wird immer weniger, eine halbe Stunde bleibt noch über, wo gibts noch eine Strasse, die ich nicht kenne? Wir werden es erfahren. Zwischendrin essen wir die restlichen Pieroggi auf. Nicht viel, aber für den kleinen Hunger reichts allemal. Übrigens kommen wir bei einer Burg vorbei, leider regnet es wie Sau, und wir können nicht stehen bleiben. Wie sich später rausstellt, Burg Chęciny, ist eine Burg die man wirklich besichtigen kann. Naja wir kommen ja irgendwann wieder, von dem her: Sie ist jetzt 600 Jahre alt, da wird sie wohl noch die nächsten 10-20 Jahre auf uns warten können.

2 Stunden später fahren wir irgendwie auf Warschau zu, bis Jamin sagt, so hier die Abfahrt rechts nehmen. Also weg von der Stadt. Wir fahren auf dem Autobahnring um Warschau herum, um am Ende dann im Westen der Stadt, in Stara Miłosna im Hotel Bella Vista einzukehren. Was zum Teufel haben wir uns dabei gedacht? Das ist gefühlt eine Ewigkeit vom „Stadtkern“ weg. Wir sind beide eeeeetwas überfordert und verwirrt. Haben wir irgendwas falsch angekreuzt? Parkplatz muss sein, und kostenlos stornierbar auch, aber ich hätte nicht im Kopf gehabt dass wir „Am Arsch der Welt“ auch angeklickt haben. Seltsam, aber was soll’s: Gekauft wie gesehen. Also ab zur Rezeption und Schlüssel abholen. Extra KEIN Familien- oder Doppelzimmer. Die Damen reden schon seit Jahren von Hotel schlafen und eigenes Zimmer. Bitteschön, euer Wunsch ist erfüllt. Ihr Zimmer ist auch von Schminktisch, über Nachtkastel mit Lampe und zusätzlichem Hocker besser ausgestattet als unseres. Wir hingegen wohnen quasi am Feldbett. Dafür ist unser Raum größer und hell. Das Zimmer der Mädels ist mit irgendeiner alten Tapete von 1976 verkleidet. Aber für die 2 genau richtig.

Zimmer werden gerecht verteilt, Koffer werden abgestellt und kurz ausgeräumt und wir sind schon am Weg in die Innenstadt. WAAAASSS 1 Stunde und 10 Minuten dauert die Busfahrt? Irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht. Während Jasmin uns mit ihrem Navi zu einem Bus lotst, den ich bei mir nicht finde, fällt mir einfach ein, dass wir wohl gedacht haben, wir buchen weiter auswärts weil es ja eh einen Bus und eine Straßenbahn gibt, die wir wohl nehmen können. Jasmins Bus wird mir nicht angezeigt, dafür aber ein anderer wo wir 8 Minuten zur Station gehen müssten. Das ist meinen Frauen doch zu weit und so nehmen wir den Bus der vor der Haustüre wegfährt, nur dass dieser halt 20 Minuten länger braucht. Egal, wir haben keinen Stress. Unsere Pläne ändern sich eh andauernd, also ist dieser kleine Umweg auch schon wurscht.

Jasmin hat ein Wochenendticket gefunden, das von Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr gilt. Eigentlich perfekt. Wir vergessen diese Tatsache aber und da ich am Ticketautomaten kein so ein Wochenendticket kaufen kann, muss ich mir auf Jasmins Drängen erstmal ein 75 Minuten Ticket für uns alle holen. In der Zwischenzeit laden wir wieder irgendwelche Apps auf Polnisch runter und versuchen dieses Wochenendticket zu bekommen. 2 Stationen nachdem ich unsere normalen Tickets gekauft habe, steigen 2 Kontrolleure ein. Na puh, hatten wir ein Glück. Ein Junge hinter uns leider nicht. Keine Ahnung wie hoch seine Strafe war, aber Jasmin sagt, bei dem Gesichtsausdruck wohl ein Monatslohn, das Erstgeborene und 2 Staffeln BlueRays der Serie Firefly.

Einmal müssen wir umsteigen in eine Straßenbahn, aber am Ende kommen wir direkt vor der Heiligen Annakirche raus. Ein großerPlatz mit Pestsäule. Und ganz wichtig, einem kleinen Lädchen des Hard Rock Cafés. Ich hol mir gleich meine üblichen Sachen und wir brauchen auch gar nicht mehr weiter danach Ausschau halten. Die Mädels sind müde (obwohl sie im Auto hätten schlafen können) und ein klein bisschen hungrig. Also gibts erstmal Aufputschmittel und Magenfüller. Für den Übergang. Danach kaufen wir uns Jahrestickets für die „Taras Widokowy“. Eine kleine Aussichtsplattform. K2 bringt es auf den Punkt: Wie bescheuert kann man eigentlich sein, Geld auszugeben um sich Oberschenkelschmerzen zu holen. Tja, du wirst es auch noch merken.

Jasmin ordnet an, ich soll eine Tour über den Starego Miasta planen und was man hier noch so anschauen kann. Ich stöbere im Reiseführer und gebe Informationen weiter: Beinahe die komplette Warschauer Altstadt wurde im Krieg zerstört. Also nix mit historische Altstadt. Es wurde zwar originalgetreu wieder aufgebaut, aber das wars auch schon wieder. Nichts desto trotz wunderschön. Wir schlendern beim Rynek (also Marktplatz) vorbei, sehen die polnische Meerjungfrau mit Schwert und Schild (das Wappen Warschaus) und gehen dann weiter zum Barbakan. So eines haben wir in Krakau auch gesehen. Ein Verteidigungstor aus der damaligen Zeit. Sehr schick alles hier.

Als wir ein paar Bilder machen wollen, passiert es. Ein plötzlicher Regenguss überfällt uns schlagartig. Jasmin ist not amused. Es war NICHT angesagt. Was soll das jetzt. Wir rennen und finden in der alten Stadtmauer eine Einbuchtung in der wir uns grad und grad alle reinquetschen können. Also nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich. Wir knien am Boden, nur um nicht vom Regen erwischt zu werden. Es dauert gute 10 Minuten bis es so halbwegs nachlässt und Jasmin davonspurtet ins nächste Geschäft. Wir folgen auf dem Fuße und sind erstaunt was sie da Tolles entdeckt hat. Ein richtiger Trödelladen. „Lapidarium Antyki“ also ein Flohmarkt in einem Laden. Aber mit RICHTIG altem Zeug. Von alten Münzen über Militaria (ja auch aus dem Dritten Reich), über Uniformen, Waffen, Messer, Uhren, Plattenspieler bis zur Büchersammlung (die größte Ansammlung von „Mein Kampf“ die ich je gesehen habe) war da wirklich alles dabei. Offenbar kann man solche Dinge hier ganz normal verkaufen. Die Preise teilweise aber auch ab 350€ für Kleinigkeiten. Feuerzeuge, Taschenuhren mit eindeutigen Emblemen. Wir waren erstmal sprachlos und total erstaunt und zugegeben auch schockiert.

Der Regen hat nach 30 Minuten komplett aufgehört und wir schlendern über die ul. Podwale zurück neben der Stadtmauer vorbei Richtung Süden. Unser Abendessenprogramm: Mama Pho. Also rein in den Bus, 3 Stationen und schon gibts Essen. Jasmin will das Ticket jetzt endlich entwerten und schaut auf die Uhr. Mist, verdammter – 18:55. Noch immer nicht freigeschalten. Wir müssen nach 1 Station aussteigen, sie möchte kein Schwarzfahrer sein. Die Erstgeborene hätte sie an diesem Nachmittag gerne dem Kontrolleur überlassen, aber die BluRay Sammlung müssten wir auch erstmal irgendwo herbekommen. Und das wird sauschwer. Ne, ne. Lieber wieder raus und die 5 Minuten abwarten, bzw. die paar Meter halt einfach gehen.

Beim Lokal angekommen, beschleicht uns das Gefühl dass es geschlossen ist, weil alles so finster ist. Aber das ist unbegründet. Alles auf, und frei ist auch noch was. 3x Pho und 1x Udon Nudeln und Frühlingsrollen. Alles suuuuper gut! Preislich haben wir die letzten Tage für 4 Personen immer zwischen 250 und 280 Zloty gezahlt. Also zwischen 58 und 65 Euronen inkl. Getränke. Ist ganz in Ordnung. Wobei wir 2x bei den Pierogi immer etwas mitgenommen haben und somit öfter gegessen haben. Nachdem wir unsere Suppe geschlürft haben, gehts ab mit dem Expressbus nach Hause. 1x umsteigen und 55 Minuten später sind wir auch schon im Hotel.

Die Mädels haben ihr Zimmer, wir unseres. Das ist ja wie zu Hause. K2 kommt noch ein paar mal vorbei, aber ansonsten verläuft die Nacht ruhig und angenehm. Morgen haben wir in Warschau einen vollen Tag geplant. Da wir ja etwas abseits wohnen müssen wir alles einpacken was wir brauchen. Inkl. Schirm, Charme und Melone. Wobei Jasmin sagt – Schirm nicht, der Wetterbericht sagt nein (so wie heute auch).

Hinterlasse einen Kommentar