Wir werden unser Wochenend-Familien Ticket um 9€ komplett ausreizen…
Tagwache früh, Frühstück um 7 Uhr, Treffpunkt in der Lobby. Schauen wir mal, ob unsere 2 Damen das schaffen. Wir kommen aus dem Zimmer, es ist 6:59 und Jasmin bezweifelt stark, dass da schon jemand wach ist. Ich sage, dass wir in die Lobby müssen und ihnen zumindest die Chance geben sollten. No, na, es ist natürlich niemand unten. Also Aufzug wieder hoch und angeklopft. Wir hören dumpfes Fluchen aus dem Zimmer. SO schaut also komplett verschlafen, bzw. 4x den Wecker weitergesnoozt aus. Wir drehen um, und möchten die beiden schnellstmöglich beim Frühstück sehen. Keine 5 Minuten später stehen sie auch schon da.
Das Frühstück im Bella Vista ist gigantisch. Hier gibt es beinahe alles. Bis auf Bacon. Aber gut, man kann sein Ei auch so essen. Es ist wirklich alles da und wir schlagen uns die Bäuche voll. Danach geben wir wieder Gas, denn unsere erste Station ist der Flohmarkt (Bazar na Kole) etwas weiter auf der anderen Seite von Warschau. Wir fahren ca. 1 1/2 Stunden dorthin. 2-3x umsteigen. Wie sich am Abend rausstellen wird, gibt es 2 Metros von Nord nach Süd und von Ost nach West, der Rest der Stadt ist mit Straßenbahn verbunden. Und was da nicht abgedeckt ist, steigt auf 2 verschiedene Busse um. Einmal Bummelbus, der bei jeder Station stehen bleibt, und einmal Expressbus, der wohl jede 2 oder manchmal 3te auslässt.
Beim Flohmarkt angekommen, stöbern wir uns durch die Aussteller. Ich finde natürlich was. Jasmin ebenfalls: Ein Kilo Kirschen um 4,5€. K1 sieht viel, kauft nichts. K2 sieht auch viel und kauft auch einiges. Alles natürlich im Schnäppchenbereich. Es wird 2 Stunden dauern, bis wir alles gesehen haben. Danach nehmen wir die Straßenbahn und die Metro für unser Mittagessen. Heute Milch-Bar Gdańsk. Bei der Metro gibt es nur einen Steckplatz für das ausgedruckte Ticket. Wir haben aber nur einen QR-Code. Jasmin checkt nach, ich finde natürlich wieder nichts Hilfreiches. Ah, da ist doch ein Code-Leser, hat sie recherchiert. Da können wir alle durch. Und sollte es mal keinen geben, gibt es an einer Wand einen Automaten der quasi Leerticktes rausdrückt, dass man durch die Schranken gehen kann. Sehr zuvorkommend.
Bei der Milch-Bar angekommen, müssen wir auf komplett neumodisch unser Essen bei einem Schalter bestellen. Wir können sogar die Sprache auf Deutsch umstellen. Sehr gut, sonst wäre es auch auf Englisch gegangen. Aber nachdem Bilder dabei waren, hätte das sogar ausgereicht. Übrigens bekommt man dann eine Nummer, die auf einem Bildschirm angezeigt wird. Wie beim McDonald’s – Nur dass es hier auch wirklich klappt. Und unsere Bestellung ist oben auf dem Bildschirm auch dabeigestanden. Auch auf Deutsch. Es gibt 2x Wiener Schnitzel, 1x mit Reis, 1x mit Kartoffel. 1x so eine Art Fleischbällchen in Rahmsauce mit Reis. Der Geschmackstest würde sagen, ein Hühnchennaturschnitzerl mit Sauße (Wie wenns von Oma kommt, ihr kennt das alle!) und ich habe einen Kartoffelpuffer Jägerart. Eben genau dieser mit „Zigeunersauce“ und Fleisch und naja.. Jägerstyle halt. 4 Getränke auch dabei. Alles zusammen 27€!!!! Wir sind alle pumpvoll. Natürlich geht eine Nachspeise immer, aber da müssen auch die Fotos passen. Und das hat hier leider nicht gepasst. Aber grundsätzlich mein Fazit zu den Milch-Bars: Ein geiles Konzept. Frage mich, warum es das bei uns nicht gibt. Es ist einfach eine „Firmenkantine“ nur für jedermann. Und man sieht dort wirklich KEINE Touristen. Also außer uns :-). Keine Ahnung warum, aber so gut und günstig bekommt man nirgends den Wams voll.
Anschließend geht es zum Kultur- und Wissenschaftspalast (PKiN). Ein sehr umstrittener Bau, da er doch aus dem Stadtbild Warschaus komplett raussticht in seinem Zuckerbäckerstil. Er war ein „Geschenk“ Stalins und das ist hier nicht allzu positiv angenommen worden. Mittlerweile hat sich das wieder etwas geändert, und den „jungen“ Polen scheint es wieder etwas mehr egal zu sein. Aber damals war hier Heidewitzka sag ich. Dennoch gibt es bis heute Bewegungen, die sich für einen Abriss einsetzen. Dort gibt es ein Kino, mehrere Museen und unser nächstes Ziel, eine Aussichtsplattform im 30 Stock. Tickets gekauft und rauf in 0,26 Sekunden. Gut, gut, so schnell gehts dann doch nicht. Aber wenn man dann einen Platz ergattert im Lift, ist man schnell oben. Die Aussicht ist meiner Meinung nach wunderschön. Jasmin wittert Touristennap. Man sieht nix mehr als von da und von da. Alle Fenster sind besetzt. Wir bleiben etwas, umrunden die Plattform mehrere Male und kriegen genügend Insta-Fotos zusammen um die nächsten Tage alle mit der Aussicht zu beeindrucken.
Wir wollen wieder runter und die Schlange ist nicht ganz so lang wie die nach oben. Vor uns steigen ein paar Menschen ein und fahren runter. K2 drückt den Knopf, dass der Lift wieder hochkommt. So wie auf dem Schild gezeigt. Es dauert nicht lange und die selbe Gruppe Menschen steht wieder vor uns. Haben die jetzt vergessen auszusteigen oder was? Sie schauen alle peinlich berührt und fahren wieder runter. Ich schaue mir oben am Aufzug die Stockwerke an. Lift ändert 2x die Position. Ich hoffe sie sind ausgestiegen. Lift kommt wieder hoch und was für ein Zufall: Andere Menschen steigen aus. Wir also rein, drücken den Knopf, Lift fährt los, wir steigen aus, Lift fährt weiter. Keine Ahnung was daran so schwer war. Solche Ahnungslosen hab ich auch noch nie gesehen.
Aus dem Palast raus setzen wir uns auf eine Bank und verschnaufen bei einer Tasse Kaffee, als uns ein Mädchen anquatscht. Ich denke mir schon wieder, warum wir? Warum müssen die Zeugen Jehovas immer zu uns kommen. Oder die Mormonen. Oder Staubsaugervertreter, Rotes Kreuz oder Versicherungsvertreter? Immer wir? In dem Fall hat sie Spenden für einen kleinen Jungen gesammelt. Er leidet an „Hier KRANKHEIT EINFÜGEN“ und braucht ganz dringend eine Behandlung die 6000 Zloty kostet. Naja Jasmins Herz ist in so einem Fall ja aus Herz gemacht und wir spenden etwas. Das Mädchen zieht von dannen und fragt den nächsten, den sie zu Gesicht bekommt.
Wir gehen weiter und wollen jetzt zum Łazienki-Park. Eine riesen Parkanlage mitten in der Stadt. Dort darf man keine Pfauen angreifen und schon gar nicht mit Rädern durch den Park fahren, auch Hunde – nein danke. K2 hat noch genügend überschüssige Energie, die sie jetzt mit Rädern und Purzelbäumen auslässt. K1 dackelt nur hinterher. Wir biegen irgendwo, dank meiner allzeit bestens vorbereiteten (natürlich NICHT) Route, falsch ab und finden nicht das, was Jasmin sehen wollte. Dafür hören wir eine seltsam anmutende klassische Musik, die wir gar nicht hören wollen. Jasmin sucht das andere Gebäude mit dem schönen Blick und wir latschen weiter im Park rum. Es liegt direkt an einem angelegten Teich. Da kann mal mit einem Boot rumcruisen (also 10 Minuten im Kreis) oder auch Fische füttern (die fettesten Welse, die ich je live gesehen habe) und vor allem die besten Influencer beobachten, wie sie Fotos in diversen Posen machen.
Dann gibts noch einen Abstecher auf einen Spielplatz, ja die Mädels sind noch nicht volljährig, da kann man schon mal auf einen Spielplatz für „bis“ 6-jährige gehen. Es ist Abend und wir wollen den Tag abschließen. Ein Denkmal möchte noch besucht werden und dann wars das auch mit Warschau für uns. Wir nehmen den Bus, steigen aber nach 1 Station wieder aus, weil es Jasmin zu viel wird. Also nächster Bus, der biegt plötzlich auf eine andere Route ab, obwohl er im Bus anzeigt, dass er eigentlich richtig fahren wollte. Ich kenn mich nicht aus, fordere die Damen sofort zum Aussteigen auf und kann mir meine mangelnde Recherchefähigkeit vorwerfen lassen. Keine Ahnung was da los ist, aber so wie manch andere Menschen dreinschauen, wissen sie auch nicht was da los ist. Egal, wir gehen die letzten Meter zum Essen. Ein guter Freund hat mir das Kompanią Piwna empfohlen und in 10 Minuten sind wir schon da.
Ja liebe Leute, natürlich haben wir keine Reservierung und die Tischeinteilerin sagt uns aber auch leider nicht, wie lange es dauern wird. Sie verschwindet erstmal und kommt nach 10 Minuten wieder. Es kommen immer wieder andere Leute die etwas von reservatije faseln und beinahe sofort einen Tisch bekommen. Ein paar Typen drängeln sich bei uns vorbei, werden dann aber abgewiesen, weil sie auch keine Reservierung haben und wir bekommen unseren Tisch. Das in der Zwischenzeit andauernde spaßeshalber Nörgeln meiner Mitreisenden ignoriere ich gekonnt. Ist ja auch nicht so, dass es etwas geändert hätte. Das Lokal ist für seine Stelze bekannt, aber leider dauert es noch 40 Minuten bis die nächsten fertig sind. So lange wollen wir nicht warten und wir switchen um. Als Appetizer gibt es Essiggurken und Kraut. Es stellt sich raus dass es Salzgurken sind und das Kraut auch nicht sonderlich gut ist. Der Rest des Essens ist einwandfrei und wir sind wieder mehr als satt und können auch noch die Hälfte vom Schnitzel mitnehmen. Der Preis des Abends ist diesmal sehr westlich angehaucht. 4 Personen 100€ inkl. Getränke. Wir haben jedoch eh sehr günstig den Tag hinter uns gebracht und gönnen uns mal, da ist sowas auch mal drin.
Am Weg nach Hause wollen wir noch das Denkmal des polnischen Widerstands anschauen. Das Tolle daran ist, heute ist der 35. Gedenklauf zu eben diesem Widerstand 1944 mit einer 5 und 10km Distanz. Start um 20:15 und 21:15. Es sind Menschen auf den Straßen, die plötzlich aufgetaucht sind. (Naja nicht ganz. Wir haben den Nachmittag über immer wieder Leute gesehen, die ein grünes T-Shirt anhatten. Also Startershirts). Jetzt macht es auch Sinn, dass der Bus nicht hier gefahren ist. Es ist ja alles gesperrt für die Laufstrecke. Man geht um eine Straße und alles ist irgendwie leer. Eine Stimmung war das: Gänsehaut sag ich euch. Da waren 1000e Leute die direkt in dem Moment gestartet sind, als wir das Denkmal erreicht haben. K1 war ebenfalls total begeistert und wollte sofort mitlaufen. Leider wussten wir das natürlich nicht im Vorfeld. So einen 5km Lauf machen wir ja auf einer Arschbacke.
3 Damen müssen nochmal GANZ DRINGEND aufs Klo, also suchen wir eine Toilette. 3 sind blöderweise schon geschlossen, eine noch auf. Wir rennen quasi, weil sie es beinahe nicht mehr halten können. Wir schaffen es gerade noch so, im Trockenen dorthin zu kommen. Jasmin ist plötzlich der Navigator – von der Blase geführt oder so. Übrigens: Das ist uns auch aufgefallen, öffentliche Toiletten sind kostenfrei Aber nicht komplett versifft. Es rennt immer irgendwo eine Putzfrau oder ein Putzmann rum und wischt und kehrt und reinigt. Das wäre mir bei uns noch nie aufgefallen.
Wir machen noch ein Foto beim „Warszawa“ Zeichen, welches schön beleuchtet ist am Abend und dann war es das mit der Hauptstadt von Polen für uns. Eine Station mit der Straßenbahn, 3 mit der Metro und unzählige mit dem Bus sind wir 55 Minuten später in unserem Hotel. Es war ein wirklich anstrengender, erkundungsreicher Tag und die Mädels waren mehr als tapfer und haben durchgehalten.
Morgen gehts nach Danzig und wir freuen uns schon drauf.
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