Polen – Tag 6 – Danzig Calling…

8:15 wurde das Frühstück angesetzt. K2 hat es zwar gelesen, aber gekonnt ignoriert. Und so sitzt sie schon im Frühstücksraum und schlägt sich den Bauch voll. Wir sind mehr als begeistert über diese Selbstständigkeit. Oder Überschätzung? Wir wissen es nicht genau, aber sie hat es bravourös gemacht. Einfach hingesetzt, einen Tisch reserviert, etwas zu essen geholt und sich nicht stören lassen vom Kellner oder sonstigen Menschen.

Die Koffer werden eingepackt und im Auto verstaut. Es ist halb 11 als wir loskommen. Geografisch gesehen sind wir ja westlich von Warschau und müssen weiter in den Norden. Wir liegen auch mehr oder weniger direkt an der Autobahn weshalb die Navigatorin nicht den Weg ZUR Autobahn ansagt, sondern davon weg. Also direkt auf Warschau zu.

Joa, auch eine Möglichkeit. Zumindest 40 Minuten schneller als mein Navi. Wir folgen der S7 die mal mehr, mal weniger auf meinem Autonavi auftaucht. Sie geht direkt nach Gdańsk. Auf dem Weg erblicke ich von der Autobahn aus einen Flohmarkt. Den hätten wir noch ansteuern können, aber die Abfahrt war so schnell da, dass ich sie direkt verpasst habe. Nach 3 Stunden irgendwas kommen wir an.

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, sollten wir eine günstige Tankstelle finden, dann tanken wir auf. Ein kleiner Umweg wird gemacht, weil Jasmin eine „günstige“ auf Maps gefunden hat. Bisher hat es nie gestimmt, aber wir machen’s einfach. 7,89 pro Liter – also tanken wir voll. Wasser wäre auch von Vorteil. Hier gibt es aber keinen Billa-Express, also sind die Preise an den Tankstellen wesentlich teurer als in den Geschäften. Somit bleibt das Wasser stehen. Vollgetankt und kurz vor der neuen Wohnung kommen wir 100 m weiter an einer weiteren Tankstelle vorbei. 7,74 pro Liter. So ein Zufall aber auch. Na was soll man machen. Absaugen geht nicht. Also leben wir damit.

Das Appartement finden wir auf Anhieb. Ein Anweisung für einen Parkplatz gibt es auch von der Vermieterin dazu. 2 Runden im Kreis, eine kurze Pause zum „Sammeln“ und vor uns fährt direkt jemand aus dem Parkplatz raus. Ich parke ein, der Parkplatz ist eher eng. Als wir aussteigen, bemerkt Adlerauge Ehefrau, dass weiter hinter uns direkt noch einer rausfährt. Wieder raus aus dem Parkplatz, Retourgang rein und nochmal eingeparkt. Ja, der ist schon besser, auch wenns rechts und links doch etwas tight ist. Wir steigen aus, schauen uns um und wollen gerade beginnen die Koffer auszuladen, als eine Dame in ihr Auto einsteigt und aus dem nächsten Parkplatz rausrollt. Jasmin begutachtet diesen und drängt zum erneuten Umparken. Ok nochmal umgeparkt. Warum denn nicht. Das ist jetzt der PERFEKTE Parkplatz. Nicht zu groß, nicht zu klein. Hinten genügend Platz, rechts und links genau der korrekte Abstand zu den anderen Fahrzeugen. Und das wichtigste – kostenlos. Jasmin sagt: Bestellungen beim Leben brauchen bissl Zeit und Geduld. Wenn Sie meint…

Wir erkunden unsere Wohnung, die Jungle Dingsbums Irgendwas. Eine kleine heimelige Wohnung im ersten Stock eines extrem nach Kraut müffelnden Wohnhauses. Man betritt die Wohnung und hat diesen tollen Airwick Geruch in der Nase. Ich lokalisiere den Spender, stecke ihn direkt wieder ab und lege ihn auf die Seite. Eine kleine 45m2 Wohnung mit Küche und Wohn-/Schlafzimmer. 1 Doppelbett und Schlafcouch. Auf jeden Fall wesentlich rustikaler als Wohnung Nummer 1. Aber auch VIEL näher am Zentrum als Hotel Nummer 2. Also eigentlich die perfekte Mischung. Aber auch nur eigentlich. Kein Bild hängt gerade, von nichts gibt es mehr als 3 gleiche Dinge (Teller, Besteck, Geschirr) aber trotzdem für mehr als 6 Personen. Ja klar, wir sind eh so gut wie nie hier, aber wenn es regnen sollte, dann wirds eng. Der Fernseher hat auch eher Laptop Größe. (Und wird uns am Abend noch ein paar Minuten kosten, da er erstmal nicht so funktioniert wie er soll.). Also eine seeehr muckelige Wohnung.

Nachdem alles untergebracht ist, machen wir uns auf den Weg in die Danziger Innenstadt. Diese liegt 10 Minuten Fußmarsch entfernt. Wir merken sofort, dass es hier ein komplett anderes Flair hat. Auch Danzig wurde beinahe komplett zerstört und wieder aufgebaut. Es findet jetzt der Dominikanermarkt statt, welcher 3 Wochen geht und sich in der kompletten Altstadt ausbreitet. Wir haben genau die beste Zeit erwischt, denn die Preise haben sich um 1/3 erhöht, lt. Jasmins Recherchen. Mit dem Planen haben wir es nicht so ganz. Dafür gibt es überall tolle Stände mit Waren (wird die Mädels sehr freuen). In meinem Reiseführer soll es dann noch etwas geben, wo ich mir im Nachhinein in den Hintern beiße. In einem Beisatz bei einer Tour durch die umliegenden Dörfer und Städte erfahre ich von einem Ritterfest in Marienburg. Es stellt sich raus, dass dieses Fest genau an diesem Wochenende statt finden sollte. Genau so wie bei uns in Friesach das Spectaculum. Wenn ich es vorher gewusst hätte, dann wären wir dort zuerst eingekehrt.

In der Innenstadt von Danzig sehen wir eine Menschenmenge, die wir bisher nicht gesehen haben. Wir bekommen es noch nicht mit, aber früher oder später werden wir merken, dass es hier von Touristen nur so wimmelt. Wie es scheint aus aller Herren Länder. Was wir in Warschau und Krakau nicht mitbekommen hätten, ist hier geballt auf engsten Raum. Massen an Leuten schieben sich durch die Innenstadt, vorbei an den Ständen mit Kunsthandwerk und Essen und was es sonst noch so gibt.

Wir haben, so geheim wie wir konnten, Tickets für eine Bootsfahrt durch die Weichsel gekauft. Ganz wie es sich gehört auf dem „Piratenschiff“ (Black Pearl – ja so heißt es wirklich) – naja auf einem Neueren, auf alt getunten Schiff. Wir kriegen grad so keinen Platz mehr an Deck, also müssen wir drunter auf einem Tisch für 4 Platz nehmen. Die Fahrt wird ungefähr 1 Stunde dauern und uns auf dem Fluss in Richtung Westerplatte bringen. Dort begann der 2 Weltkrieg seinerzeit. Wir bleiben aber an Bord und fahren wieder zurück. Die Temperaturen fallen rapide und wir sind alle heilfroh, dass wir nicht oben sitzen müssen. Es gibt noch dazu eine Polnisch-Englisch-Deutsche Live-Beschreibung am Schiff. Ein alter Seebär und eine junge Übersetzerin bequatschen die Crew. Er redet gefühlte Ewigkeiten und sie liest den Text in der halben Zeit auf 2 Sprachen ohne jegliche Modulation runter. Leider erkennt man nicht wirklich, ob es englisch oder deutsch ist, was sie da spricht, aber dafür hat sie die Haare sehr lang.

Am Ende der Fahrt gibt es noch ein paar Ständchen vom alten Seebären, natürlich auf polnisch. Klingt interessant, Piratenlieder in dieser seltsamen Sprache. K2 hat uns mit einem TOP-Video dieser Bootsfahrt unterstützt, welches ich euch nun präsentieren darf. Unser kleiner Influencer hat hiermit zugeschlagen und freut sich auf eure Kommentare und Verbesserungsvorschläge…

Wir gehen von Bord und Jasmin macht Fotos der ganzen Alt-/Innenstadt. Jedes Haus wirft sich mal in Pose. Wir kommen auch aufgrund der Menschen schwer voran und aus den angeschlagenen 13 Minuten werden sicherlich 23 bis wir beim Essen ankommen. Ein Lokal wo es um die Kartoffel geht, in sämtlichen Varianten. Man muss selbst bestellen, bekommt das Essen aber dann zum Tisch gebracht. Karte habe ich nur auf Polnisch gefunden. Wir versuchen wieder mit der FotoApp zu übersetzen, was eher schlecht als recht klappt. Due Übersetzungen sind seeeeehr eigenartig und wir brauchen etwas länger. K2 will wieder gebackenes Hühnchen, also Schnitzel, was wir aber verneinen. Fish & Chips tun es auch. Beim Bestellvorgang dann die Info kein Fish mehr. Gut dann halt das Schnitzel. Nach 15 Minuten wird das Essen gebracht. Ratet mal: Es ist KEIN paniertes Huhn, sondern ein Kartoffelpuffer mit Huhn. Das panierte hat sich auf den Kartoffel bezogen und eben nicht auf das Huhn. Wir lachen alle. K2 eher nicht. Sie teilt mit Jasmin das Essen, sodass jeder das bekommt was er eher mag.

K1 und ich haben jeweils so einen Auflauf, der auch super lecker ist. Wir können wieder etwas mitnehmen, also ist mehr als genug zu essen da. Die paar Minuten gehen wir im leichten Regen nach Hause. Wir arrangieren uns noch mit dem Fernseher auf polnisch (ne längere technische Erklärung warum nix geht – die dann mit Strom abstecken und wieder anstecken alle Sorgen auflöst – der Kinder nicht von uns und eine Installation von „on demand“ TV das plötzlich polnisch ist, die wir aber auch gelöst bekommen) und hüpfen dann ins Bett, bzw. 50:50 Couch/Bett.

Der morgige Tag wird eventuell etwas gechillter, mal schauen was das Wetter bringt.

Hinterlasse einen Kommentar