Polen – Tag 8 – Wir sind keine typischen Touristen

Gdańsk und Sopot und vielleicht Gdynia sollen es heute werden. Was davon wir schaffen, steht wie jeden Tag in den polnischen Sternen. Wir stehen so auf, dass wir um 9 Uhr bei der Milch-Bar Stągiewna sind. Beinahe pünktlich (8:59) stehen wir vor verschlossenen Türen. Es gibt Rührei mit Speck und ohne und ein Tomaten-Mozzarella Sandwich sowie einen Granola Matsch inkl. Getränke um zusammen 33€. Also was wir immer wieder sagen können ist, wenn ihr in Polen seid, geht in die Milch-Bars. Gut und günstig!

Die Altstadt wird heute endlich erkundet. Wir sehen das Krantor, den Langen Markt, das Hard Rock Café, die Neptunstatue und die Bazylika Mariacka, welche wir umgehend erklimmen wollen. 60 Zlotl für uns Aussichtsplattformbesteiger. Der Aufstieg ist wirklich interessant. Es geht über eine superschmale Wendeltreppe nach oben. Hier darf niemand entgegenkommen. Tut es Gott sei dank auch nicht. Danach kommt man auf eine Plattform und es geht weiter nach oben. Es sollen 409 Stufen werden, bis wir oben auf eine 6×7 Meter große Plattform direkt am Dach ankommen. Der Ausblick ist wie immer traumhaft. Die Menschenmenge allerdings nicht. Wie man sich vorstellen kann, dauerts etwas bis man an die guten Plätze kommt.

Wir merken, dass der Weg runter ab der Hälfte dann über einen anderen Turm geht, also bei der Wendeltreppe kann uns glücklicherweise niemand entgegenkommen. Unten setzen wir uns mal hin, das war anstrengender als gedacht. Jasmin hat vorher versucht diese Kirche aufzusaugen, aber auch hier hat die Schwingung nicht gepasst. Überhaupt bei keiner Kirche bisher. Obwohl die Polen sehr christlich gläubig sind, sind die Kirchen hier nochmal ein paar Jahrhunderte zurück.

Die Altstadt und der Dominikanermarkt werden heute gründlich erkundet. Das einzige was uns wirklich gefällt ist ein Ölgemälde Danzigs um 250€. Abgesehen davon, dass wir nicht wissen, wo wir es aufhängen sollen, wüssten wir auch nicht, was wir jetzt den ganzen Tag damit anstellen sollen. Jasmin schlägt vor, einen Kurs um 30€ zu besuchen und Material für weitere 30€ zu kaufen, dann macht sie das auch so. Na da bin ich ja mal gespannt. K1 möchte zurück zu dem „Laden“ von vorgestern, um die nicht gekaufte Kette jetzt zu erwerben. Leider ist der Stand komplett leer. Vielleicht ist sie NOCH nicht da, oder GAR nicht mehr da. Kann man nur wissen, wenn man morgen nochmal herkommt.

Wir wollen jetzt weiter nach Sopot, DAS IST DER WEG! Der Hauptbahnhof liegt direkt vor uns, da müssen wir eh hin, nach Sopot geht nur der Zug bzw. die S-Bahn. Jetzt müssen wir nur noch rausfinden, welche die Richtige ist. Gott sei Dank hat Jasmin ihre App, wo sie die Tickets gekauft hat. Wir steigen trotzdem in einen anderen Zug ein. Ein ICE, der nur 2x stehen bleibt nach Sopot. Ob das inkludiert war, werden wir nie herausfinden, denn bisher hat uns niemand mehr kontrolliert. Jasmin sagt Ja. Der Bahnhof in Sopot ist gut gefüllt. Das ist aber noch lange nicht alles, denn die Menschenmassen werden später folgen. Vom Bahnhof aus folgt man eigentlich immer nur den Leuten, die vor einem gehen und man kann nicht falsch gehen.

Rzymskokatolicka Parafia Garnizonowa św, Jerzego sollte die letzte Kirche werden. Als Jasmin die Schwelle übertritt und 5 Meter reingeht, dreht sie sich wieder um und verlässt schlagartig das Gebäude. Da die Kirchen noch mit Stimmung Mittelalter versehen sind, können neuzeitliche Hexen diese nicht betreten. Somit wurde es endlich bestätigt, was ich schon seit Jahren vermute. Irgendwann geht jemand in Rauch auf. Na gut, das ist nicht passiert. Das wäre auch eine riesengroße Schweinerei und würde mein Herz brechen. Gut, dass sie es gemerkt hat und sich selbst geschützt hat. (Anmerkung Jasmin: Keine Ahnung was er geraucht hat, aber ich würde es nicht weiter empfehlen :-), mir war einfach die Energie zu dicht und ungut da drin).

Die Menschenmenge wird größer und größer. Restaurants rechts und links von uns. Die Kulisse ist wirklich gar nicht mehr schön. Die Menschen schieben sich und Ballonverkäufer säumen den Hauptplatz vor der MOLE. Es sollten auch 2 Männer mit Schlangen die Kinder dazu einladen, diese sich umzuhängen. Gegen entsprechend Kleingeld. Haben wir natürlich NICHT gemacht. Das ist Tierquälerei sagt Jasmin. Sowas unterstützen wir nicht. Eigentlich wollten wir ja zum Strand, aber die Massen an Leuten laden uns dazu nicht ein. Wir sehen die MOLE vor uns. Die längste hölzerne Spaziermole mit 512 Metern, aber mit Eintritt. Ich schaue nach links und sehe die Schlange, die sich um Tickets bemüht. Na danke, da stell ich mich nicht an. Und warum sollte man dafür zahlen, dass man eine Brücke nutzen kann. Jasmin erblickt rechts ein klitzekleines Schild mit QR Code, wo man die Tickets online kaufen kann. Na gut, dann eben doch rauf. 23 Zlotl, also 5,3 € für alle geht grad noch, ich lasse mich überzeugen. Der Wind bläst uns um die Ohren und die Menschen werden trotzdem nicht weniger.

Hier gibt es natürlich alles, was es draußen auch gibt. Ein Restaurant mit unverschämten Preisen. Bootstouren für Schnell-, Langsam- und Piratenfahrer. Und auch diese teurer als sonst wo. Wir gehen ganz raus, schauen uns die Luxusyachten an, die vor Anker liegen, staunen nicht schlecht, lassen uns die Haare vom Wind durcheinanderbringen und gehen wieder zurück. Die Kinder finden massenhaft Ohrenquallen. Ungiftig aber für Jasmin nicht einladend. Preis/Leistung des Eintritts ist in Ordnung würd ich sagen.

Der Hunger macht sich bemerkbar und wir beschließen den Steg wieder zu verlassen. Gdynia lassen wir jetzt aufgrund dieses Massentourismus gleich weg. Das brauchen wir nicht nochmal. Enttäuschung macht sich breit, ich hätte mir irgendwie mehr erwartet, aber andererseits wars auch abzusehen, so wie es in Danzig zugeht. Am Meer hat sich der Tourismus ausgebreitet. Auf Kosten aller Anwesenden. Es ist architektonisch schön, aber uns fehlt das Flair hier in Sopot komplett.

Unser verspätetes Mittag-, verfrühtes Abendessen nehmen wir im Billy‘s Restaurant zu uns. Eine wahrscheinlich amerikanische Kette, die von Burgern zu Steaks alles hat. Geschmacklich wie immer hervorragend. Preislich, mehr als in Ordnung, etwas mehr als die restlichen Restaurantbesuche, die wir bisher hatte, aber eben auch nur etwas mehr. Optisch ein Highlight, das gleich Sehnsucht nach Übersee bei Jasmin auslöst. Die dauernd angespielte Country Musik ist dabei auch gar nicht hilfreich.

Zurück am Bahnhof angekommen, nehmen wir diesmal wirklich die S-Bahn und bleiben natürlich bei jeder Station stehen. Das dauert dann etwas länger, als beim Herfahren. Wir wollen jetzt noch an „unseren“ Strand von gestern. Also bleiben wir bei der Politechnika stehen, steigen um und fahren wieder bis nach Brzeżno.

Das Gewand fliegt, der Wind ist ebenfalls mitgekommen. Wir sehen die MOLE aus der Ferne. Suchen uns irgendwo einen Platz, hocken uns mit einem Badetuch in den Sand und beobachten die Menschen hier am Strand. Einige sind tatsächlich im Wasser und schwimmen vor sich hin. Wir haben keine Badesachen dabei, denn wenn jetzt jemand krank wird, dann ists halt echt schade und wirklich wirklich blöd. Zumal K2 sowieso hustet. Nach einer guten Stunde sind wir durchgekühlt vom Wind und verlassen den Strand. K1 und 2 müssen sich umziehen, denn, wie kann es anders sein, sie wurden nass. Wechselgewand wurde selbst mitgebracht. Sehr schlau!

Beim Hauptbahnhof bleiben wir nochmal stehen und decken uns mit Pierogi für das Abendessen ein. Heute soll es endlich mal früher nach Hause gehen, denn die Kinder wollen einen Film schauen. Noch in einen Express Laden und ab nach Hause. Bei der Straßenbahnstation steht noch 9 Minuten warten, bis zum „richtigen“ Zug. Ich kriege keinen Empfang auf meinem Telefon, sage aber dass die Gleise eh nirgendwohin gehen, ausser in eine Richtung, also steigen wir ein. Navi lädt und lädt. Ich kriege keine Verbindung. Jasmin möchte nicht aushelfen und drängt dazu meinen Flugmodus ein und auszuschalten. Wir bleiben stehen und springen aus der Bahn raus. Flugmodus ein/aus, Verbindung da. Ja wir können auch die 6er Bahn nehmen. Sie steht noch vor uns, also springen wir wieder rein. Kommen beim Forum Gdańsk an und gehen die restlichen Meter zu Fuß zu unserer Wohnung.

Die Pierogi (ja das ist tatsächlich die Mehrzahl, wie mittlerweile rausgefunden 1 Pieróg, 2 Pierogi) werden als kleines Abendessen verspeist und der Film Hoppers wird angeschaut. Das sollte unser letzter Tag hier werden. Es hat uns grundsätzlich gefallen, aber der Flair aus Krakau fehlt uns komplett. Unser Favorit bleibt nach Stadt 3 erstmal bestehen. Mal schauen was die letzte Stadt zu bieten hat. Do zobaczenia rano.

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